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Unfall in Leichlingen-Stöcken
24-Jährige fährt aus ungeklärter Ursache frontal in Lkw

Unfall: Betonmischer kollidiert mit Pkw
Leichlingen. Eine Toyota-Fahrerin gerät auf der L 294 bei Stöcken in Leichlingen aus ungeklärter Ursache in den Gegenverkehr. Sie ist schwerstverletzt und musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Von Peter Clement

Die Landstraße 294 im Bereich Stöcken am Montagnachmittag: Polizeibeamte sichern Spuren, messen den Unfallort aus, gehen wieder und wieder an bestimmte Stellen der gesperrten Fahrbahn.

Kein Detail darf übersehen werden, denn es geht darum festzustellen, wie es passieren konnte, dass eine 24-jährige Autofahrerin am Vormittag scheinbar grundlos in den Gegenverkehr geriet und dort mit einem Lastwagen frontal zusammenstieß.

Nach dem Frontalzusammenstoß: Der vordere Bereich des Toyota ist nur noch ein Trümmerhaufen. FOTO: Michael Kiesewalter

Es ist 10.20 Uhr, als die junge Toyota-Fahrerin aus Leichlingen - in Richtung Innenstadt unterwegs - plötzlich auf die Gegenfahrbahn zieht und mit dem Betonmischer kollidiert. Augenzeugen berichten später, der Lkw-Fahrer habe seine Spur korrekt gehalten, ihn treffe keine Schuld an dem Zusammenstoß.

Die Folgen des Unfalls sind verheerend: Die junge Frau wird in ihrem Fahrzeug eingeklemmt und muss von der Feuerwehr mit schwerem Gerät befreit werden. Die Airbags haben zwar ausgelöst, dennoch ist der vordere Bereich des Fahrzeugs nur noch ein Trümmerhaufen.

Die Fahrerin selbst ist schwerstverletzt: Sie wird mit einem Rettungshubschrauber ins Unfallklinikum Köln-Merheim transportiert. Der 61-jährige Fahrer des Lkw erleidet einen Schock. Der Rettungsdienst bringt ihn zur Behandlung in ein örtliches Krankenhaus.

Nachdem die Feuerwehr die Fahrerin erfolgreich geborgen hat, beginnt die Polizei mit der Spurensicherung. FOTO: Kiesewalter

In dem Kleinwagen finden die Polizisten ein Handy, das zur Beweissicherung sichergestellt wird. Die Beamten wollen überprüfen, ob das Gerät zur Unfallzeit benutzt wurde, denn Ablenkung insbesondere durch Mobiltelefone ist eine der häufigsten Unfallursachen in Deutschland. Die Überprüfung erfolgt routinemäßig. Einen konkreten Verdacht, die 24-jährige könne telefoniert haben, gibt es nicht.

Ganz gleich, was sich am Ende herausstellen wird: Wie gefährlich auch nur eine einzige Sekunde Ablenkung beim Fahren tatsächlich sein kann, macht Michael Schreckenberg, Dekan der Universität Duisburg-Essen, deutlich. Der Professor für Physik von Transport und Verkehr nennt auf Anfrage ein Beispiel: "Wenn ein Fahrer bei Tempo 80 nur eine Sekunde lang abgelenkt ist, hat das Fahrzeug bereits etwa 25 Meter Weg zurückgelegt. Eine weitere Sekunde vergeht, bis er bremst - schon ist er 50 Meter quasi im Blindflug unterwegs."

Schreckenberg erläutert auch, welche Kräfte bei einem frontalen Crash auf die Fahrzeuge einwirken: "Physikalisch betrachtet verwandelt sich die Bewegungsenergie des Autos bei einem Unfall in Verformungsenergie. Und die steigt quadratisch mit der Geschwindigkeit an. Das bedeutet: Wer mit doppeltem Tempo aufprallt, löst vierfache Zerstörungsenergie aus. Da müssen Sie kein Tempolimit brechen, um einen verheerenden Unfall auszulösen. Einige wenige Sekunden Ablenkung reichen aus."

Ob dies auf den Leichlinger Unfall von gestern zutrifft, der laut Polizei allein 20.000 Euro Sachschaden verursacht hat, ist nicht bekannt. Eines steht laut Schreckenberg jedoch fest: Die 24-Jährige hat großes Glück gehabt, dass der Lkw sie nicht seitlich erwischt hat. "Die Knautschzonen der Autos sind alle darauf ausgelegt, einen Frontalzusammenstoß zu meistern", sagt der Professor. Das Risiko steige, je seitlicher ein Fahrzeug bei einem Unfall getroffen werde: "Einen Unfall mit einem Lkw, der an ihrer Fahrerseite aufprallt, hätte die junge Frau vermutlich nicht überlebt."

Quelle: RP