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Leichlingen
29 Zeitzeugen schildern Heimat vor der Kamera

Leichlingen. Der "Freundeskreis Stadtmuseum Leichlingen" lässt in einer großen Aktion ältere Leichlinger Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Von Peter Korn

Bei Brunhilde Stender gab es am Aufnahmetag selbst gebackenen Kuchen. Den bot die gelernte Hauswirtschafterin der Kamerafrau Anne Effertz immer wieder so geschickt an, dass diese am Ende fürchtete: "Morgen habe ich bestimmt ein Kilo zugenommen."

Bei aller Lockerheit und Herzlichkeit: Brunhilde Stender hat an diesem späten Vormittag im Juni 2012 Heimatgeschichte geschrieben - und mit ihr inzwischen 28 weitere Leichlinger, die in etwa zweistündigen Interviews ihr Leben haben Revue passieren lassen. In ganz persönliche Art und Weise, dafür aber eben mit Episoden gespickt, die sich in einem Geschichtsbuch meist nicht finden lassen.

"Zeitzeugen" nennt sich die Aktion, bei der der "Freundeskreis Stadtmuseum Leichlingen" ältere Leichlinger Geschichten aus ihrem Leben erzählen lässt. Die Interviews werden gefilmt und sollen helfen, die Vergangenheit lebendig zu halten. "Diese Videos sollen nicht in irgendeinem Archiv verschwinden, sondern sind so angelegt, dass sie - entsprechend aufbereitet - im zukünftigen Stadtmuseum gezeigt werden können", sagt Freundeskreis-Vorsitzende Birgitt Färber.

Das Museum ist Hauptziel des Vereins, doch der ist längst schon mit den Interviews Stadtgespräch bei diversen Anlässen. In Zusammenarbeit mit dem Leichlinger Stadtarchivar Thorsten Schulz-Walden haben Färber und ihre Mitstreiter bereits zu diversen historischen Anlässen Teile der Aufnahmen ausgewertet und zur Verfügung gestellt - immer allerdings unter der Maßgabe, die interviewten Personen nicht bloßzustellen, sondern ihre Erfahrungen zielgerichtet zur Bereicherung des jeweiligen Themas einzusetzen.

Einige der befragten Zeitzeugen leben inzwischen nicht mehr. Umso wichtiger finden es die Vereinsverantwortlichen, dass es ihnen gelungen ist, sie zu Lebzeiten noch zu interviewen.

"Was diese Menschen uns berichtet haben, ist oft so reichhaltig und informativ - es wäre eine Sünde und Schande, wenn diese Erinnerungen in Vergessenheit geraten wären", sagt die Vorsitzende. Der "Freundeskreis Stadtmuseum" bewahrt sie auf und geht verantwortungsvoll damit um, vielleicht auch deshalb ist die Liste derjenigen, die sich auch noch interviewen lassen wollen, noch nicht erschöpft.

Dafür kämpfen die Vereinsmitglieder gerade darum, wichtige Schlüsselstellen auch weiterhin besetzen zu können, damit die Arbeit vernünftig fortgeführt werden kann: "Wir hatten gerade unsere Jahresversammlung, bei der wir eine Gedenkminute für unser kürzlich verstorbenes Mitglied Curt Hondrich eingelegt haben", berichtet Birgitt Färber. Der bekannte Theologe und Journalist hatte sich insbesondere als Interviewer im Verein hervorgetan. Doch auch ein Protokollführer für die Gespräche wird mittlerweile dringend gesucht.

Der Einsatz lohnt sich, denn die Aufnahmen sind teilweise Schmuckstücke: So ist es dem Verein gelungen, kurz vor dem Besitzerwechsel noch einen letzten Blick ins Haus Vorst zu erhaschen, kommentiert von Markus Albanus, dem letzten "Burg herrn" der Familie.

Und auch der vor kurzem verstorbene Altbürgermeister Karl Reul hat Spannendes aus seinem Leben zu erzählen gewusst. In einem Punkt überschneiden sich seine Erinnerungen sogar mit denen Brunhilde Stenders: Die Leichlingerin gab an, für ihren früheren Lehrer an der Schule Bennert geschwärmt zu haben: Sie und ein paar Mitschülerinnen hätten ihn auf dem Schulweg begleitet, "und wir haben uns immer ein wenig gezankt, wer ihm die Tasche tragen durfte". Reul wiederum erzählte, als junger Lehrer habe er sich immer gefreut, die Schülerinnen zu treffen. Und das mit der Tasche wusste er auch noch genau.

Quelle: RP
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