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Leichlingen
"500er": Kassiererin trickst Kunden aus

Leichlingen. Der Mann bestand darauf, mit dem großen Schein zu bezahlen. Aber hat er ein Recht darauf? Von Peter Clement

Ein Geschäft in der Leichlinger Innenstadt in der vergangenen Woche: Der Kunde - ein älterer Herr mit weißem T-Shirt - hat seine Waren an der Kasse drapiert. Es sind Einkäufe deutlich unterhalb von 50 Euro. Doch dann zückt der Mann plötzlich einen 500-Euro-Geldschein und will damit bezahlen. Als die Kassiererin ihm erklärt, dass sie darauf nicht so einfach herausgeben kann, wird der Kunde aggressiv: "In jeder Bäckerei kann ich damit bezahlen", behauptet er und beschimpft die Kassiererin heftig.

Mehrere Hinweise der jungen Frau, dass der Warenwert der Einkäufe wenigstens ansatzweise im Verhältnis zu dem Geldschein stehen müsse, mit dem man bezahlt, ignoriert er völlig. Stattdessen verlangt er, den Chef zu sprechen. Die anderen Kunden sind fast alle empört über dieses Verhalten, und doch fragen sich einige zwischenzeitlich: "Hat der Mann vielleicht recht, und die Geschäfte müssen alle Scheine annehmen?"

Müssen sie nicht - das macht der Bundesverband deutscher Banken deutlich. Insbesondere kleinere Geschäfte dürfen demnach per Aushang darauf hinweisen, dass sie auch nur kleinere Geldscheine annehmen. Ansonsten müssten sie unverhältnismäßig viel Wechselgeld vorrätig halten. Zudem sei der Schaden besonders groß, wenn man Opfer einer Fälschung werde, heißt es.

Der verwendete Geldschein sollte in angemessenem Verhältnis zum Preis der gekauften Ware stehen, fordert auch die EU-Kommission. Soll heißen: Wer für 20 Euro einkauft, kann nicht erwarten, dass der Händler ihm 500 Euro wechselt. Allerdings empfiehlt die Europäische Union den Händlern, bestimmte Scheine nicht mehr generell abzuweisen.

Das hat auch die Leichlinger Kassiererin nicht getan. Sie verschwindet im Büro und taucht wenig später fröhlich lächelnd mit dem Wechselgeld für den Kunden wieder auf: überwiegend Fünf- und Zehn-Euro-Scheine! Der Effekt ist groß: Es dauert gut fünf Minuten, bis der Geldhaufen nachgezählt ist.

Die Kassierein hat den Spieß umgedreht: Wenn sie einen sehr großen Schein annehmen soll, bekommt der Kunde viele kleine zurück - und muss eben zählen und zählen. Da ist der Mann aber schon draußen auf dem Parkplatz. Diese Arbeit - unter den Augen der genervten Warteschlange - überlässt er lieber seiner Partnerin.

Quelle: RP
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