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Leichlingen
70 Flüchtlinge verschwunden

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Leichlingen. Von den für Leichlingen angekündigten 150 neuen Flüchtlingen ist offenbar nur die Hälfte angekommen. Der Rest hat sich zuvor abgesetzt. Von Peter Korn

150 Flüchtlinge sollten am vergangenen Wochenende mit zwei Bussen aus Bayern eigentlich in der Leichlinger Notunterkunft auf dem ehemaligen Aldi-Gelände an der Brückenstraße ankommen. Doch unterwegs, so bestätigte die Stadtverwaltung gestern, ist offenbar die Hälfte von ihnen plötzlich verschwunden.

Verwandte und Freunde, die bereits in Deutschland leben, hätten viele der Flüchtlinge beim Zwischenstopp in der DRK-Erfassungsstelle Bergisch Gladbach abgepasst und einfach mitgenommen. Dort sollten die Aufnahmeerfassung und der Medizin-Check durchgeführt werden, bevor es weiter in die Unterkunft Leichlingen ging.

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Die für Zuweisungen zuständige Bezirksregierung Arnsberg erklärte gestern auf Anfrage, dies sei kein Einzelfall. "Wir beobachten immer wieder, dass sich Flüchtlinge mit Verwandten offensichtlich verabreden, um die ersten Tage im neuen Land bei ihnen zu verbringen", berichtete ein Sprecher. Dies sei moralisch natürlich nachzuvollziehen, aber dennoch der völlig falsche Weg: Denn erstens sei Familienzusammenführung nur für Verwandte ersten Grades vorgesehen. "Und schließlich müssen diese Leute ja im System erfasst werden, wenn sie eine Chance auf Anerkennung haben und nicht illegal in Deutschland leben wollen."

In den meisten Fällen setze sich diese Erkenntnis nach einigen Tagen durch, und dann meldeten sich diese "geflüchteten Flüchtlinge" bei den offiziellen Stellen, heißt es.

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic

Es gibt aber auch noch eine weitere Gruppe, die ganz andere Ziele verfolgt, wie der Sprecher betonte: "Das sind Leute, die Deutschland eigentlich nur als Durchgangsland sehen und in Wahrheit weiter nach Skandinavien wollen, vor allem nach Schweden." Die nutzten solche Fahrmöglichkeiten von der bayerischen Grenze aus, um schnell möglichst viele Kilometer zurückzulegen und sich dann auf eigene Faust weiter durchzuschlagen.

Interessanterweise sind nach Angaben des Sprechers solche Absetzungs-Tendenzen vor allem bei den Transporten aus Bayern zu erkennen. Erst vor Kurzem etwa seien mehrere Sonderzüge mit Flüchtlingen in Düsseldorf angekommen. "Doch längst nicht alle, die dort ausgestiegen sind, sind auch tatsächlich in die Busse vor dem Bahnhof eingestiegen, die sie in die Notunterkünfte bringen sollten", berichtet der Sprecher.

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Im konkreten Leichlinger Fall wird jetzt einfach so verfahren, als seien die abhängigen Flüchtlinge nie vorgesehen gewesen. Die Plätze in der Notunterkunft werden an neue Bewerber vergeben. "Und die kommen voraussichtlich schon heute an", teilte Bürgermeister Frank Steffes gestern auf Anfrage mit. Denn die Bezirksregierung könne es sich nicht erlauben, Kapazitäten leer stehen zu lassen.

Wie viele der angekündigten Flüchtlinge dann tatsächlich auch auftauchen, wird sich wohl wieder erst im Lauf des Tages zeigen.

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Quelle: RP
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