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Leichlingen
Afghanische Familie kämpft um ihr Asyl

Leichlingen. Vor einem Jahr flüchteten die Kuseihies aus ihrem Heimatland und kamen in Bennert unter. Trotz vieler Bestrebungen, sich zu integrieren, wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Mit Hilfe von Nachbarn wehren sie sich gegen diese Entscheidung. Von Roman Zilles

Zwölf Monate ist der Aufbruch her. Aber ein schöner Jahrestag ist es nicht. Im Oktober 2015 machten sie sich auf den Weg, der sie aus ihrem Heimatland tausende Kilometer nach Westen führte. Vorausgegangen sein sollen Drohungen der Taliban: Entweder beteilige man sich am bewaffneten Kampf oder man sei seines Lebens nicht mehr sicher. Haus und Geschäft wurden verkauft, mit dem Geld (12.000 Euro) Schleuser bezahlt.

Das ist die Geschichte, die Familie Kuseihie aus Afghanistan mit nach Leichlingen gebracht hat: Vater Edishah (33 Jahre), Frau Marjam (26) und ihre Kinder Arezou (8), Sohiel (6) und der ein Jahr alte Azita. Letzterer war auf der Flucht erst einen Monat alt. Während sich Marjam Kuseihie hierzulande also noch im Mutterschutz befunden hätte, war sie mit Bus, Esel und zu Fuß unterwegs in Asien und auf der Balkan-Route. Schlimmer als das, was hinter ihnen liegt, erscheint der Familie, die in Oberschmitte untergebracht ist, indes ihre Zukunft. Denn sie soll zurück in die Heimat.

"Die Familie ist in Panik und fürchtet nun wieder um Leib und Leben", berichten Erika und Rolf Aders aus Bennert. Sie haben die Kuseihies kurz nach deren Ankunft kennengelernt und sind beeindruckt vom Bemühen der Familie, in Deutschland Fuß zu fassen. Dazu zählen Sprachschule, Berufspraktikum oder Maßnahmen zur Eingliederung des Arbeitsamts. Tochter Arezou besucht inzwischen die zweite Klasse der Grundschule in Bennert, Sohn Sohiel den Kindergarten Arche Noah. "Wer sie kennt, dem kommen keine Zweifel, dass die Familie wirtschaftlich mal auf eigenen Füßen steht. Sie sind hier in der Nachbarschaft inzwischen auch sehr beliebt", sagt Erika Aders.

Trotzdem: Vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kam vor wenigen Tagen die Ablehnung des Asylantrags. Das Schreiben umfasse zwar 13 Seiten, aber keine persönlichen Gründe, warum die Familie nicht bleiben könne. "Es heißt, Afghanistan sei ein befriedetes Land", sagt Rolf Aders und schüttelt mit dem Kopf: weil er an der Sicherheit in dem Land zweifelt, aber auch weil er nicht versteht, "warum so viel in Maßnahmen zur Integration investiert wird, um die Menschen dann einfach auf dem kalten Wege abzuschieben". Ein solch ungerechtes Vorgehen sei nicht nur ein harter Schlag für die Familie, sondern auch eine bittere Pille für die vielen Ehrenamtler, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Noch ist es aber nicht so weit. Dank Vermittlung der Aders hat sich ein Rechtsanwalt der Angelegenheit angenommen. Einspruch gegen die Ablehnung sei eingelegt worden, bis Mitte November müsse die Begründung dafür nachgeliefert werden. Wie lange es dauern wird bis zu einem endgültigen Urteil, sei vollkommen unklar. Vielleicht ein paar Monate, vielleicht sogar ein Jahr. "Aber eines haben die Kuseihies zumindest gewonnen: etwas Zeit", sagt Erika Aders.

Quelle: RP
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