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Leichlingen
Altbürgermeister Karl Reul starb Montagabend

Leichlingen: Altbürgermeister Karl Reul starb Montagabend
Legendär waren die 13 Reisen mit dem "Karl-Reul-Express": Reul reiste (vorne links im Bild) mit Leichlingern, Leverkusenern, Solingern und anderen. FOTO: Schütz
Leichlingen. Der Tod des 92-Jährigen kam plötzlich. Freitag war er noch auf dem Obstmarkt zu Besuch. Beisetzung: voraussichtlich am 17. Oktober. Von Ludmilla Hauser

Gestorben ist Altbürgermeister Karl Reul dort, wo er auch gerne viele Stunden seines Lebens zubrachte - in seiner Sauna zu Hause. "Das ist schon ein wenig verrückt, aber für ihn ist es so ohne große Belastung gegangen. Das ist besser als ein monatelanges Leiden", sagte gestern sein Sohn Herbert Reul hörbar betroffen von der Nachricht.

Karl Reul begrüßte Politikgrößen in Leichlingen, etwa Helmut Kohl. FOTO: Seibel

Der Tod des Vaters sei überraschend gekommen, "jeder, mit dem ich spreche, sagt, das kann doch nicht sein." Vergangenen Freitag hatte der 92-jährige noch auf der Obstmarkt-Eröffnung bei den Bergischen Sängern kräftig mitgesungen. Hatte Ende September noch von seinem Nach-Nachfolger an der Stadtspitze, Frank Steffes, eine Ehrung fürs langjährige Engagement im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge entgegengenommen. Und neulich habe Karl Reul, daran erinnert sein Sohn, noch bei einem Arztbesuch die ganze Praxis unterhalten.

Wer das Glück hatte, den Leichlinger CDU-Granden kennenzulernen, kann sich diese Szene nur allzu lebhaft ausmalen. Denn Reul verband die seltene Kombination aus Hartnäckigkeit in der Sache, für die er kämpfte - das waren gerade in seiner langen politischen Karriere sehr viele -, humoristischem Schalk und viel Charme. Sein Geheimnis für ein langes Leben fasste der in Aachen geborene und in Belgien aufgewachsene Politiker vor ein paar Jahren so zusammen: "Ich habe immer solide gelebt, viel Bier getrunken." Dahinter steckt aber noch mehr - sein nicht abebben wollendes Interesse an der Politik, an seinem Leichlingen. Zweimal am Tag ging er zum CDU-Bürgertreff, um nach dem Rechten zu sehen.

Karl Reul mit dem Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes. FOTO: NN

Seit 1945 lebte Reul in Leichlingen, schätzte dessen dörflichen Charakter, arbeitete als Lehrer an der Katholischen Volksschule Kirchstraße, wurde 1964 dort Rektor. Früh begann er sich politisch zu engagieren. Von 1957 bis 1999 war Reul Mitglied im Rat der Stadt, von 1975 bis 1994 ehrenamtlicher Bürgermeister. "Im wahren Wortsinn war er ein Bürger-Meister. Er gab alles, um nah bei den Menschen zu sein, Regularien ließ er dafür auch schon einmal weg", erzählte gestern Uwe Schellin, der 1976 CDU-Fraktionschef wurde und mit Karl Reul "aufs Engste zusammenarbeitete. Wir haben täglich telefoniert, haben zum Beispiel das Brückerfeld zusammen aufgebaut." Auch wenn er, Schellin, der CDU heute nicht mehr so nahestehe wie Reul ("Die CDU war sein Leben"), "mit ihm hat mich bis jetzt ein herzlicher Kontakt verbunden."

Der junge CDU-Vorsitzende Maurice Winter verbindet mit Reul " das Gesicht der CDU Leichlingens über lange Jahre", Reul habe die Ortspartei geprägt wie kein anderer.

Mit Minister Gerhard Stoltenberg. FOTO: NN

Auch Ernst Müller (SPD), der Reul 1994 ins Bürgermeisteramt folgte, wusste Reuls Art zu schätzen: "Wir haben über Jahre zusammengearbeitet, nicht immer in inniger Freundschaft. Aber ich habe ihn bewundert für seine Energie, seine Leidenschaft für politische Ziele." Das unterstreicht auch Frank Steffes, der Karl Reul seit 1989 kennt. "Der streitbare Stadtvater ist ein Urgestein, engagiert in allen Bereichen, seien es politische Ämter, Karneval, Vereinsarbeit." Und in der Arbeit am Bürger. Legendär ist Reuls Aktion "Eine Stadt geht auf Reisen". Dabei mietete er ganze Züge und fuhr mit bis zu 1150 Leichlingern, Solingern, Leverkusenern und anderen auf 13 Touren nach Brügge, Weimar, Wiesbaden, Hameln und mehr. Der politische Konkurrent Müller schaffte es anfangs nicht über die Warteliste hinaus, Schlitzohr Reuls Begründung: "Er hat sich einfach zu spät angemeldet."

Für Europaabgeordneten Herbert Reul ist sein Vater ein Vorbild, vor allem in Sachen Einsatzfreude: "Kein Anliegen war ihm zu schwer, alles wollte er selbst machen", sagte er gestern anerkennend.

Damit möglichst viele Menschen auch die Gelegenheit haben, sich von Karl Reul verabschieden zu können, will die Familie - Reul hinterlässt seine Frau, fünf Kinder und zehn Enkelkinder - die Beerdigung auf einen Samstag legen, merkte Herbert Reul an. Wahrscheinlich werde es der Samstag in einer Woche, das wäre der 17. Oktober.

Quelle: RP
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