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Leichlingen
Amt sucht dringend Familien für Flüchtlingskinder

Leichlingen. Der Aufruf des Leichlinger Jugendamtsleiter Hubert Knops klang beinahe flehentlich: "Wir brauchen die Unterstützung der Öffentlichkeit", sagte er am Dienstag im Jugendhilfeausschuss und zielte dabei auf die Hilfe der Leichlinger bei der Betreuung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge ab. Die Resonanz auf den ersten Aufruf sei überraschend gering gewesen. Von Ina Bodenröder

Gleichzeitig steige die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ohne Erziehungsberechtigte nach Deutschland kämen, ständig weiter und stelle die Jugendhilfe vor eine enorme Herausforderung. Derzeit sind 17 unbegleitete Flüchtlinge in Leichlingen, deren Betreuung die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes so beschäftigt, dass ihr Tagesgeschäft mehr oder weniger zum Erliegen kommt.

"Noch im September hieß es vom Landesjugendamt, dass die Quote der aufzunehmenden Jugendlichen bei einem pro 5000 Einwohner lege, mittlerweile sind wir bei einem pro 1600 angekommen", verdeutlichte Hubert Knops die dramatische Entwicklung. Sie alle müssten vom zuständigen Jugendamt untergebracht, versorgt und betreut werden. "Die konkrete Situation ist aber so, dass wir ausgebucht sind, es gibt keine freien Plätze", sagte der Jugendamtsleiter. Das Amt nutze jetzt alle Möglichkeiten, um die Obdachlosigkeit der jungen Menschen zu vermeiden.

In Leichlingen läuft dazu eine Pflegeeltern-Kampagne, die auf die Unterbringung in hiesigen Familien zielt. In Kooperation mit dem Intensivpädagogischen Dienst (IPD) sucht das Jugendamt dringend Familien, die sich vorstellen können, die Minderjährigen aufzunehmen. "Das ist natürlich etwas völlig anderes, als wenn man kleine Kinder in Pflege nimmt. Die jungen Menschen, von denen 80 Prozent zwischen 16 und 18 Jahre alt sind, werden wahrscheinlich nur zwei, drei Jahre in der Familie bleiben. Die wiederum muss mit der Situation, den Belastungen und oftmals traumatischen Erfahrungen der Jugendlichen umgehen können", betonte Knops. Die potenziellen Pflegeeltern würden auf diese Aufgabe vorbereitet und intensiv geschult.

Wer räumlich niemanden aufnehmen kann, hat die Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen, die Jugendlichen im Alltag zu begleiten und ihnen Orientierung in der fremden Umgebung zu bieten. Für die Vermittlung der Patenschaften ist im Leichlinger Jugendamt Johanne Kristiansen zuständig und unter der Telefonnummer 02175 992-245 erreichbar.

Bei der Vermittlung der Pflegeeltern können sich Interessenten an Petra Kronenberg beim IPD wenden. Sie ist telefonisch unter 02196 8889637 zu erreichen.

Quelle: RP
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