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Leichlingen
Automobilgeschichte auf einem Rad

Leichlingen: Automobilgeschichte auf einem Rad
Karlheinz Flach liebt seine Einrad-Schätzchen wie dieses filigran wirkende Holzkohle-Antriebsgerät. FOTO: uwe Miserius
Leichlingen. Karlheinz Flach ist ein Mann mit einer allgemeinen Leidenschaft fürs Kraftfahrzeug. Und einer speziellen für Anhänger. Der Leichlinger hat sich auf Einradanhänger spezialisiert. 23 Sammlerstücke nennt er sein eigen. Für August plant er ein großes internationales Einradanhängertreffen Von Ina Bodenröder

Die Reiselust der Deutschen ist legendär: In den 1950er und -60er Jahren fuhren Zehntausende in den Urlaub in den sonnigen Süden, meist in den kleinen Autos der Wirtschaftswunderjahre – Fiat 500, BMW Isetta oder VW Käfer. Oft mit nur kleinen Kofferräumen ausgestattet, hatten in diesen Jahren zugleich Einradanhänger (ERAH) Hochkonjunktur, die den Urlaubern den nötigen Stauraum zu ihren Fahrzeugen boten.

Genau diese Anhänger haben es dem Leichlinger Karlheinz Flach angetan: Seit 30 Jahren sammelt er Einradanhänger und die passende Literatur dazu. Jubiläum haben in diesem Jahr aber auch die Gefährte mit nur einem Rad selbst: "Seit 100 Jahren gibt es sie für Transporte. Die älteste Patentschrift dazu stammt aus dem Jahr 1912", berichtet Karlheinz Flach.

Noch zehn Jahre früher ist ein entsprechender Anhänger für Straßenmessungen dokumentiert. Denn Einradanhänger waren durchaus nicht nur für das Übergepäck reiselustiger Menschen gedacht: "Es gibt auch Anhänger für Lastwagen, Busse und Panzer", sagt der Leichlinger. Panzer führten darauf zum Beispiel Treibstoffreserven mit. Leuchtende Augen bekommt Karlheinz Flach bei einem "Schätzchen", das er vor einiger Zeit in der Schweiz entdeckt und erworben hat: Ein Holzgasgenerator auf einem Einradanhänger für Personenwagen, Lieferwagen und kleine Busse, den die Schweizer Firma Orion im Jahr 1940 nach einem Volvo-Patent gebaut hat: "Er hat jahrelang in Zürich in einer alten Fabrikhalle gestanden und ist hervorragend erhalten", sagt der 51-Jährige begeistert.

Im Jahr 1982 kam Karlheinz Flach zu seinem Hobby, das er als historische Recherche über einen kleinen Teil der Automobiltechnik versteht. Damals kaufte der Kraftfahrzeugmechaniker seinen ersten ERAH von einem Kollegen. Er ahnte wohl nicht, dass er fortan 18 Jahre lang mit seiner Frau und den drei Kindern im VW-Käfer 1200 Export samt Anhänger Sommers wie Winters unterwegs sein würde.

Zum Sammler ist er außerdem geworden: 23 Einradanhänger – jeder mit seiner eigenen Geschichte – gehören mittlerweile zu seiner Sammlung. Nicht zu vergessen die 14 Ordner mit Informationen, die er darüber zusammengetragen hat: "Mein Ziel ist es, jede Literatur über Einradanhänger – ob alte Zeitungen oder Bücher ab dem Jahr 1900 – durchzuschauen und zusammen-zutragen", sagt Karlheinz Flach. Derzeit seien ihm 260 verschiedene Anhänger für Personenfahrzeuge, Lastwagen, Busse und Panzer aus 24 Ländern bekannt. "Aber ich suche weiter nach Auto-, Camping- oder Reisezeitungen zur Durchsicht, Prospekten, Urlaubsfotos, Filmen und jeder Information über Einradanhänger".

In diesem Sommer wird er seine Anhänger und die Ergebnisse der Recherchen präsentieren. Er veranstaltet in Leichlingen vom 17. bis zum 19. August zum zweiten Mal ein internationales Einradanhänger-Treffen, bei dem sich zahlreiche gleichgesinnte Fans und Oldtimer-Freunde einfinden werden.

(RP/rl)
 
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