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Leichlingen
Bande zerschlagen - noch Täter gesucht

Leichlingen: Bande zerschlagen - noch Täter gesucht
Einen kleinen Teil des Diebesgutes präsentierten Hermann Terjung (v.l.), Gerhard Wallmeroth und Ingo Gebhardt von der Polizei gestern. Den Großteil der Beute hat die Einbrecherbande bereits im In- und Ausland verkauft. FOTO: S.R.
Leichlingen. Einen Schaden von 370.000 Euro hat eine rumänische Tätergruppe schwerpunktmäßig auch in Leichlingen verursacht. Von Sebastian Radermacher

Einem aufmerksamen Zeugen ist es letztlich zu verdanken, dass die Polizei Rhein-Berg am Donnerstag eine landesweit agierende Einbrecherbande aus Rumänien zerschlagen konnte. Auf das Konto der Bande gehen auch diverse Einbrüche in Leichlingen, darunter jeweils zwei im Eickerfeld in Witzhelden, in Schmerbach sowie einer in Claasholz.

Gestern gab die Polizei Einzelheiten zu einem der größten Fahndungserfolge der Behörde bekannt. Der Zeuge hatte im Juli einen Einbruch in Bergisch Gladbach beobachtet. Die Täter konnten zwar fliehen, der Mann merkte sich aber das Kennzeichen des Autos.

"Bereits nach kurzer Zeit wussten wir, dass die Täter im Bereich Herne und Gelsenkirchen ihre Aufenthaltsorte hatten", sagte Ingo Gebhardt, Leiter der Ermittlungsgruppe. Von dort aus starteten sie ihre Einbruchsserie. Gebhardt: "Sie waren äußerst reisefreudig, auch in Holland, Schweden, Dänemark und ihrem Heimatland unterwegs."

Bei der Fahndung arbeiteten die Polizeibehörden Rhein-Berg und Bochum zusammen. Sie überwachten die Telefone und konnten so zehn Mitglieder, darunter eine Frau, im Alter von 23 bis 42 Jahren identifizieren. Das Diebesgut hat einen Wert von mehr als 370.000 Euro. Es fehlt noch etwa ein Viertel der Strafanzeigen, erst dann steht eine genaue Summe fest. Laut Gebhardt ist aber wahrscheinlich, dass der Gesamtschaden (mit Sachschaden an und in Gebäuden) mehr als eine Million Euro beträgt.

Der Ermittlungsgruppe war es gelungen, in einer großangelegten Aktion die europaweit agierende Bande aus Rumänien zu zerschlagen, mehr als 120 Einbrüche seit Juli dieses Jahres aufzuklären und vier Personen festzunehmen. Drei Haftbefehle wurden vollstreckt, die vierte Person befindet sich wieder auf freiem Fuß. Fünf weitere Bandenmitglieder sind im Ausland untergetaucht und werden mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Familien-Clan aus Rumänien, der bislang in Deutschland unbekannt war - weitere 80 Einbrüche begangen hat. Einen Großteil der Beute (Schmuck, Handys, Laptops, Tablets, Besteck) hat die Bande bereits auf dem Schwarzmarkt und in Geschäften wieder verkauft. Teilweise wurde die Beute per Post oder mit Bussen nach Rumänien transportiert, weil Diebesgut dort einfacher verkauft werden kann. Die sichergestellte Beute wird zurzeit erfasst. Die Polizei versucht, sie den einzelnen Einbrüchen zuzuordnen.

Die Täter fuhren meist zu viert mit einem Auto durch Wohngebiete und spähten in der Regel Einfamilienhäuser aus. Sie klingelten. Wenn niemand öffnete, schlugen mit einem Stein die Terrassentür oder ein Fenster ein und gelangten so ins Haus. Meist warteten zwei Täter im Auto und hielten Kontakt. Ungewöhnlich: Die Bande schlug nicht in den Abendstunden oder nachts zu, sondern meist am Vormittag. "Teilweise wurden vier Einbrüche pro Tag verübt. Wenn die Bande vormittags nicht erfolgreich war, hat sie es nachmittags weiter versucht", sagte Ermittler Gebhardt.

Am Montag gibt es ein Treffen der Ermittlungsgruppe mit LKA und Europol. "Die internationale Zusammenarbeit ist intensiviert worden", sagte Polizeichef Gerhard Wallmeroth. Hermann Terjung, Leiter des Kriminalkommissariats II, fügte an: "Wir müssen davon ausgehen, dass die gesuchten Täter weitere Einbrüche verüben werden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns." Es sei wahrscheinlich, dass weitaus mehr Personen zu der Bande gehörten, als die zehn identifizierten.

Quelle: RP
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