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Leichlingen
Bergische Wäschestube: Inhaber hören auf

Leichlingen. "So hätte es mal in den letzten Jahren hier aussehen sollen", sagt Doris Urban mit einem leichten Anflug von Wehmut in der Stimme beim Blick durchs gut besuhte Geschäft. 30 Jahre lang hat sie mit ihrem Mann Johannes Urban und Tochter Stefanie Beer in der Bergischen Wäschestube auf der Marktstraße Schlafanzüge, Unterhosen, Feinstrumpfhosen und vieles mehr verkauft hat. Doch spätestens Ende des Jahres schließt der Laden, seit Sommer ist bereits Ausverkauf. Von Ina Bodenröder

Jetzt ist die Wäschestube oft voll, die Schnäppchenjäger lassen sich nicht zweimal bitten. "Diesen Andrang hätten wir gerne immer gehabt. Die Hamsterkäufe haben mich schon etwas überrascht", sagt auch die Tochter. Doch all das kann nicht davon ablenken, dass Geschäfte wie das der Urbans immer schlechteren Zeiten entgegensehen. "Diese Art des Einzelhandels wird den Bach runtergehen", prophezeit Doris Urban. "Die älteren Kunden sterben, die mittlere Generation bestellt im Internet. Und die ganz jungen betreten einen Laden wie unseren nicht." Die Jugendlichen zeigten ein ganz anderes Kaufverhalten, bei dem es vor allem um immer Neues, dafür aber Preisgünstigeres gehe. Mit Billigketten könne das Geschäft, das vor allem hochwertige Markenware anbietet, aber nicht konkurrieren. "Dabei ist unser Sortiment in den letzten Jahren dank unserer Tochter schon immer moderner und bunter geworden", betont die Geschäftsfrau, jedoch habe Qualität seinen Preis, den viele nicht mehr bezahlen wollten.

Die 81-Jährige, die mit ihrem Mann in Witzhelden lebt, zählt sich nicht zu den Traditionalisten, ist trotz der bevorstehenden Ladenaufgabe nicht schwermütig und freut sich auf freie Zeit. "Bei meinem Mann ist das schon etwas anderes. Der ist ins Geschäft hineingeboren. Ihm geht das sehr nah", erzählt Doris Urban über ihren 85-jährigen Gatten.

Die Familie hatte den ersten Laden dieser Art schon vor über 180 Jahren in Solingen, Johannes Urban hat das Geschäft in vierter Generation übernommen. Doch Tochter Stefanie Beer ist zu realistisch, um sich auf das Wagnis Einzelhandel einzulassen. "Ich habe hier mein Leben verbracht, das war immer ein sicherer Hafen. Aber es gibt kein Weiterkommen im Einzelhandel", erklärt sie, warum sie zukünftig nicht mehr in fünfter Generation Wäsche verkaufen will.

Die Regale an der Marktstraße leeren sich, Handtücher sind ausverkauft, der Schlafanzugständer weist immer größere Lücken auf. "Wenn nichts mehr da ist, machen wir zu", sagt Doris Urban. Dann verschwindet wieder ein Stück traditionsreicher Einzelhandel.

Quelle: RP
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