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Leichlingen
Betriebsausflüge von Stadtverwaltungen in Kritik

Leichlingen: Betriebsausflüge von Stadtverwaltungen in Kritik
Am Mittwoch, 13. Mai, startet die Leichlinger Stadtverwaltung ihren jährlichen Betriebsausflug. Deshalb bleiben das Rathaus, die Stadtbücherei, die Verwaltungsnebenstellen Am Schulbusch 16 und in Witzhelden sowie das Jobcenter Rhein-Berg geschlossen. Die Mitarbeiter fahren nach Königswinter. FOTO: rm (archiv), kölntouristik
Leichlingen. Die Tradition, einmal im Jahr das Rathaus abzuschließen und sich gemeinsam einen schönen Tag zu machen, gibt es in Leichlingen seit vielen Jahren. Für diesmal, Mittwoch, 13. Mai, haben sich die Stadtbediensteten ein besonders schönes Ausflugsziel herausgesucht. Königswinter am Rhein mit seiner Postkartenromantik. Von Peter Korn

Der Drachenfels beispielsweise ist wohl der bekannteste Berg in der Region um Köln und Bonn und eines der meistbesuchten Naherholungsziele im Rheinland.

Bei den Betriebs-Ausflügen, die von der Personalvertretung im Rathaus organisiert werden und bei der stets zwischen 120 und 160 Teilnehmer mitfahren, gibt es auch verschiedene Kleinkunst-Auftritte einzelner Bürogemeinschaften sowie andere verbindende Aktionen. " Für uns ist das ein Tag, an dem sich Kollegen unterschiedlicher Ämter und Dienstgrade auf Augenhöhe begegnen und einander kennen lernen können", bekräftigt Stadtsprecherin Ute Gerhards. Dies führe oft genug dazu, dass sich nicht nur das Arbeitsklima verbessere, sondern die Zusammenarbeit an verschiedenen Stellen später einfach reibungsloser verlaufe.

Gleichwohl regt sich Kritik an der Praxis der städtischen Ausflugsfahrten. Eberhard Kanski ist Vorstandsmitglied beim Bund der Steuerzahler in NRW. Er sagt: "Teambildung und Gemeinschaft-Erlebnis schön und gut - aber warum muss ich dafür ein Rathaus mitsamt sämtlichen Nebenstellen für die Bevölkerung einen ganzen Tag lang schließen?"

Der Diplom-Volkswirt hat die Stadt Leichlingen im vergangenen Jahr bei der Ausarbeitung eines Sparkonzepts beraten, konnte sich mit seinen Vorschlägen einerzeit aber nicht durchsetzen. Ihn stört vor allem, dass das Rathaus, die Stadtbücherei, die Verwaltungsnebenstellen Am Schulbusch 16 und in Witzhelden sowie das Jobcenter Rhein-Berg alle an diesem Tag für Kunden gesperrt sind, "obwohl man genauso gut etwa Freitagnachmittag hätte fahren können, wenn sowieso kein Publikumsverkehr mehr vorgesehen ist."

Immerhin: In Sachen Finanzierung erhält die Stadt seine Zustimmung, denn für die Ausflüge wird bei den Bediensteten gesammelt, Steuergelder bleiben unangetastet.

Gleichwohl empfindet Kanski schon den Ausfall von Bürozeiten als schwer hinnehmbar. In Meschede beispielsweise sei den Mitarbeitern im Rathaus vor einigen Jahren ein halber Tag geschenkt worden - am Donnerstagabend gab es ein rauschendes Betriebsfest, Freitag blieb das Rathaus geschlossen: geschätzte Kosten für die Steuerzahler 25 000 Euro.

Aus einer ganz anderen Sicht betrachtet Isabel Lippold das Thema Betriebsausflug. Sie ist Geschäftsführerin einer Firma, die bewusst Ausflugs-Programme als teambildende Aktionen anbietet - vom Krimi-Dinner über Seifenkisten-Bau mit anschließendem Rennen bis hin zum Aufbau großer Domino-Stein-Installationen reicht die Palette. "Gerade in der heutigen Zeit, wo die Menschen im Beruf meist nur noch per E-Mail kommunizieren, können solche Events ungeahnte gemeinschaftliche Kräfte freisetzen", betont die Expertin. Vielfach sei festzustellen dass im Anschluss an einen solchen Tag die Arbeit reibungsloser und effektiver erledigt werde.

Auf den Effekt hofft auch Leichlingen in diesem Jahr. Übrigens: Wer aus der Gemeinschaft ausschert und zuhause bleiben möchte, wird keine Vorteile aus dem Betriebsausflugs-Termin ziehen können, wie Stadtsprecherin Gerhards betont: "Wer nicht mitfährt, muss einen Tag Urlaub nehmen."

Quelle: RP
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