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Leichlingen
Bewährungsstrafe für Feuerteufel

Leichlingen: Bewährungsstrafe für Feuerteufel
FOTO: Kieswalter (Archiv)
Leichlingen. Um eine Haftstrafe ist die Angeklagte herumgekommen: Die 59-Jährige, die in Leichlingen mehrere Brände gelegt haben soll, will einen "Black Out" gehabt und reichlich Alkohol getrunken haben, bevor sie erwischt wurde. Von Tobias Falke

Seit April 2014 war die Polizei dem Feuerteufel auf der Spur. Sie sprach von insgesamt 19 Taten.

Da die meisten Brände an der Straße "Am Büscherhof" passierten, waren sich die Einsatzkräfte sicher, dass es einen örtlichen Bezug zu den Bränden geben musste, und ermittelten verdeckt mit installierten Kameras. Die aufgezeichneten Videos spielte der Einsatzleiter dem Gericht jetzt vor.

In einem Gebäude, in dem die Angeklagte zu sehen war, hatten die Beamten über eine versteckte Kamera gefilmt, wie sie ihre Wohnung verließ und kurze Zeit später ein Brand an der Wohnungstür im oberen Stockwerk gemeldet wurde. Währenddessen hatte sie immer wieder neugierig aus ihrer Wohnung geschaut. Das kam der Polizei komisch vor.

Die Angeklagte wurde dann am 11. Januar dieses Jahres beobachtet, wie sie ihre Wohnung verließ und ziellos in Leichlingen umherlief, ehe sie auf dem Parkplatz am Pastorat versuchte, ein Auto auf die gleiche Weise anzuzünden, wie laut Polizei schon zuvor einige Autos in Brand gesteckt worden waren. So konnte die Frau auf frischer Tat geschnappt werden.

Die Leichlingerin selbst sagte aus, sie habe an diesem Tag einen "Black Out" gehabt. Probleme in der Ehe, die Räumung der Gräber der verstorbenen Eltern und die Renovierung der Wohnung hätten dazu geführt, dass sie sehr viel Alkohol getrunken habe und so nicht mehr wise, was genau an diesem Tag passiert sei. Die anderen ihr zur Last gelegten Taten bestritt die 59-Jährige allerdings.

Bei ihrer Schilderung brach sie mehrmals in Tränen aus. "Seit 146 Tagen versuche ich mich zu erinnern, was genau passiert ist", erzählte sie und ging von dem Zeitpunkt aus, an dem sie in Untersuchungshaft kam. Durch die Haft in der Justizvollzugsanstalt habe sie viel zu verarbeiten.

Obwohl die Staatsanwaltschaft durch die Zeugen und das Beweisvideo den Anklagevorwurf bestätigt sah und drei Jahre Haft ohne Bewährung forderte, sah sich das Gericht gezwungen, der Forderung des Verteidigers zu folgen. Dieser war der Meinung, dass die Taten nicht zu 100 Prozent nachgewiesen werden können. Einzig das gelegte Feuer am Auto sei nachweisbar. Aber auch dort sei niemand verletzt worden und kein großer materieller Schaden entstanden, da die Polizisten vor Ort die Brandstelle sicherten und Schlimmeres verhinderten. Somit sei nur von einer einfachen Brandstiftung auszugehen. Zu den zwei Jahren mit Bewährung verhängte das Gericht allerdings noch Auflagen wie eine Therapie gegen Pyromanie (krankhafte Brandstiftung). Bei der Urteilsverkündung brach die Angeklagte erneut in Tränen aus. Dieses Mal war sie froh, aus der Haft entlassen worden zu sein.

Quelle: RP