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Analyse
Bezirksausschuss gefährdet sich selbst

Leverkusen. Bezirksausschuss Witzhelden hält immer häufiger an Vorschlägen fest, die keine Aussicht auf Erfolg haben Von Ina Bodenröder

Beseitigt der Witzheldener Bezirksausschuss allmählich seine eigene Existenzberechtigung? Diese Frage drängt sich Beobachtern des Gremiums förmlich auf. Denn in den vergangenen Monaten entwickelt sich das Gremium, das doch eigentlich die berechtigten Interessen der Höhendorf-Bewohner vertreten soll, zu einer Veranstaltung, in der immer häufiger - scheinbar aus Prinzip - an Vorschlägen aus der Politik festgehalten wird, obwohl sie keinerlei Aussicht auf Erfolg haben.

Das belastet die ohnehin knappen personellen städtischen Ressourcen, hat aber unter dem Strich immer das gleiche Ergebnis: Es führt letztlich zu nichts. Jüngstes Beispiel aus der Sitzung am Montag: die Diskussion über eine Überquerungshilfe der Landstraße 294 bei Neukrähwinkel. Zum wiederholten Male hatte sich die Stadtverwaltung auf Wunsch des Ausschusses mit deren Notwendigkeit beschäftigt. Dafür mussten beispielsweise die Melderegister der Anwohner für diesen Bereich und eine frühere Verkehrszählung ausgewertet werden. Das Ergebnis: 54 Kinder und Jugendliche wohnen dort, aber längst nicht jeder davon fährt täglich mit dem Bus oder hat einen anderweitig begründeten Bedarf an besagter Überquerungshilfe, die von ihren Befürwortern vor allem deshalb so nachdrücklich gefordert wird, damit Passanten im Bereich der Bushaltestelle ungefährdet über die Straße kommen. Damit ein solches Bauwerk allerdings in die Prioritätenliste des zuständigen Landesbetriebes aufgenommen werden kann, müssen täglich mindestens 100 Fußgänger nachgewiesen werden, die die Querung nutzen. Eine Zahl, die erkennbar nicht annähernd erreicht wird.

So eindeutig die Lage, so unverständlich die Reaktion des Ausschussvorsitzenden Wolfgang Legrand: Die Stadtverwaltung möge dem Landesbetrieb mitteilen, dass der Bezirksausschuss dennoch die Hilfe für nötig halte und das Land dafür Mittel zur Verfügung stellen solle. Schließlich habe Kradenpuhl auch eine Querungshilfe bekommen. Indes stand Legrand allein mit seiner Meinung da, weil andere Politiker die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens bereits erkannt hatten.

Warum also dieses sture Festhalten an Positionen, denen offenbar auch mit Sachargumenten nicht zu begegnen ist? Wem dient dieser Lokalpatriotismus, der nach 40 Jahren kommunaler Gebietsreform reichlich überholt wirkt? Der Bezirksausschuss hat eine klare Existenzberechtigung, weil dort wichtige Themen für Witzhelden diskutiert und in die Beratungen für die ganze Stadt eingebracht werden. Die Verschwendung städtischer Personalressourcen aber gehört sicherlich nicht zu seinen Aufgaben und verbessert nicht das Ansehen des Ausschusses in der Öffentlichkeit.

Quelle: RP
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