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Leichlingen
Bürgerbefragung stärkt Stadtparkschützer

Leichlingen: Bürgerbefragung stärkt Stadtparkschützer
FOTO: Uwe Miserius
11272 Leichlinger haben ihre Stimme für eine der Varianten zur weiteren Entwicklung der Innenstadt abgegeben. Das entspricht 48 Prozent – ein Riesenerfolg. Die Auszählung wurde zur Geduldsprobe. Trend: Die Stadtparkschützer siegen. Von Peter Korn

Die Biervorräte waren bereits ebenso geplündert wie Cola, Fanta, Wasser und andere Erfrischungen, die die Stadtverwaltung am Abend aufgeboten hatte, um die Wartezeit zu verkürzen. Es ging auf 23 Uhr zu – und noch immer war nicht klar, wie das Ergebnis der Bürgerbefragung zum weiteren Verlauf der Innenstadtentwicklung ausgefallen ist. Allerdings zeichnete sich ein klarer Trend ab: Und der stärkte die Stadtparkschützer. Demnach lag Variante B, die eine Erweiterung des Rewe-Supermarkts nur auf dem derzeitigen Gelände erlaubt und die Stadtparks unangetastet lässt, gegen 23.30 Uhr bei mehr als 5900 Stimmen – und damit knapp 700 vor der Stadtparkbebauungs-Variante.

Die schiere Masse der Einsendungen überforderte offensichtlich die Auszähler im Sitzungssaal des Leichlinger Rathauses, der gut gefüllt war. Das Interesse an der lange herbeigesehnten Entscheidung der Bürger war riesengroß. Von der optimistischen Einschätzung der Stadtverwaltung, das Endergebnis bereits gegen 20.30 Uhr präsentieren zu können, war schon sehr schnell keine Rede mehr. Und als kurz vor 22 Uhr noch immer nicht mit der eigentlichen Auszählung begonnen worden war, stellte sich die Besuchergemeinde allmählich auf eine Nachtschicht ein.

Dabei war die Vielzahl der abgegebenen Stimmzettel ja eigentlich ein Grund zur Freude: Bereits gegen 19.30 Uhr hatte Bürgermeister Frank Steffes, der als Abstimmungsleiter die Auszählung im Rathaus auch moderierte, mit großer Genugtuung die Beteiligung bekannt gegeben: Sie lag bei 48 Prozent, wobei 11272 gültig abgegebene Stimmen gezählt wurden. "Das ist ein Ergebnis, wonach sich manche Kommune bei ihrer Oberbürgermeisterwahl gesehnt hätte", merkte Steffes an. Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Leverkusen hatte es bei der Wahl des Stadtchefs noch nicht einmal auf 40 Prozent gebracht.

Den Grund für das große Interesse der Leichlinger glaubte Steffes auch bereits ausgemacht zu haben: "Die Befürworter beider Varianten haben sich in den letzten Wochen sowohl auf der Straße mit Info-Aktionen als auch in den sozialen Netzwerken einen harten Kampf geliefert", sagte er: "Da wurde gewaltig polarisiert, aber offenbar bringt das die Menschen an die Urnen." Sogar bis wenige Minuten vor der Schließung des Abstimmungslokals im Rathaus waren dort noch Umschläge abgegeben worden. Die überwältigende Mehrheit der Leichlinger hat es offenbar vorgezogen, die Unterlagen direkt im Rathaus oder einem der zur Stimmabgabe zugelassenen Gebäude abzugeben. Von der Möglichkeit, den Brief auch in den Postweg zu geben, habe kaum einer Gebrauch gemacht, berichtete Steffes nicht ohne Freude, denn: "Das hat uns gewaltig Portokosten gespart."

Der Auszählungs-Marathon lief übrigens öffentlich in einem abgetrennten Bereich im Ratssaal ab. Dort gingen die Stimmenzähler – überwiegend Mitglieder der im Stadtrat vertretenen Gruppierungen – ihrer Arbeit nach, und jeder konnte über die Schulter schauen. "Transparenter geht es nicht", lobten Zuschauer aus unterschiedlichen Lagern. Schneller wurde die Auszählung indes nicht.

Immerhin: Ein Ergebnis lag schon frühzeitig vor: die Abstimmung der Schüler, die zwar nicht unmittelbar ins Ergebnis einfließt, aber in der Gesamtbewertung Berücksichtigung finden soll. 1397 gültige Stimmen wurden abgegeben, davon entfielen 804 auf die Variante mit der Bebauung eines der beiden Stadtparks, 575 wollten alles an dem bisherigen Ort belassen. Für die Organisatoren aus dem Jugendparlament, die alles mit Herzblut vorbereitet hatten, gab es zum Dank Einkaufs-Gutscheine des Wirtschaftsförderungsvereins.

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