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Leichlingen
Die Blütenstadt Leichlingen ist keine heile Drogen-Welt

Leichlingen: Die Blütenstadt Leichlingen ist keine heile Drogen-Welt
Suchtfachberater Jürgen Salewski (l.) und Oberarzt Dr. Jens Gebhardt informierten über die Gefahren des Cannabis-Konsums. FOTO: Miserius
Leichlingen. Während die Schulen an einem gemeinsamen Konzept zur Prävention und Intervention bei Drogenmissbrauch arbeiten, informierten nun Fachleute, wie Eltern mit möglichem Cannabis-Missbrauch ihrer Kinder umgehen sollten. Von Ina Bodenröder

Es gibt sie noch, die Kinder und Jugendlichen, die noch nie Cannabis konsumiert haben. Es ist sogar die Mehrheit. Aktuelle Statistiken aus diesem Jahr aber sagen, dass 9,7 Prozent der Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren die Droge bereits probiert haben. Das ist ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber 2011.

Auch Leichlingen macht dabei keine Ausnahme. "Wir haben hier nicht die heile Welt, wenn die Situation auch nicht mit der in Großstädten zu vergleichen ist", sagte Jürgen Salewski vom Fachdienst Prävention Suchthilfe im Rheinisch-Bergischen Kreis Nord. Er brachte Eltern nun gemeinsam mit Dr. Jens Gebhardt, Oberarzt an der Psychosomatischen Klinik Bergisch Gladbach, auf den neusten Stand. Sie gaben ein "Cannabis Update"; so lautete die Überschrift der Veranstaltung. Im Leichlinger Schulzentrum ist das Problem bereits erkannt: Gymnasium, Real-, Sekundar- und Hauptschule wollen demnächst ein gemeinsames Konzept zur Prävention und Intervention bei Drogenmissbrauch vorlegen.

Nun ging es indes auch um die Frage, welche Möglichkeiten Eltern haben, ihre Kinder von Cannabis fernzuhalten oder gegebenenfalls einzugreifen, wenn diese bereits in Kontakt mit der Droge gekommen sind. "Unangenehm sein ist leider unser Job als Eltern", betonte Salewski. Sie müssten Ansagen machen, als Eltern da sein und Stellung beziehen.

Unterstützung bieten dabei unter anderem die Sucht- und Drogenberater der Schulen. Sie vermitteln auch Stellen, an die sich Eltern wenden können. Auch die Schulsozialarbeiter sind geeignete Anlaufstellen, wenn Mütter und Väter bei ihren Kindern Drogenkonsum vermuten oder festgestellt haben.

Die Folgen von Cannabis, das zeigte der Vortrag Jens Gebhardts, sind tatsächlich nicht zu unterschätzen. Gerade bei Kindern, die früh anfangen - sprich: vor ihrem 15. Lebensjahr -, lasse sich durch diese Droge eine gestörte Hirnentwicklung nachweisen. Eine eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit, chronische Bronchitis bis hin zum Lungenkrebs, psychische und körperliche Abhängigkeit sowie Schizophrenie sind weitere Folgen regelmäßigen Cannabiskonsums.

Gefährdet seien vor allem Jungen mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und Mädchen, die unter depressiven Stimmungen litten. "Risikofaktoren sind aber auch traumatische Ereignisse und eine Suchtkrankheit der Eltern oder deren Scheidung", erläuterte Gebhardt. Schließlich sei der Drogenkonsum auch Ausdruck sozialen Protestes und eine Möglichkeit der Stress- und Gefühlsbewältigung.

Der Fach- dienst Prävention ist telefonisch unter 02196 93432 zu erreichen, die Ambulanz der Psychosoma- tischen Klinik unter 02202 2060.

Quelle: RP
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