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Leichlingen
Die Leichlinger fuhren regelmäßig mit Booten über ihre Straßen

Leichlingen. Die Erinnerungen älterer Leichlinger hat der Freundeskreis Stadtmuseum auf Video dokumentiert und das Ergebnis jetzt präsentiert. Von Tobias Falke

Hilde Morsbach ist 97 Jahre alt und lebt somit fast ein ganzes Jahrhundert in Leichlingen. Ihr Alter sieht man ihr nicht an: Durch ihr selbstbewusstes, sehr freundliches und höfliches Auftreten und ihre starke Ausstrahlung wirkt sie viel jünger. Sie erinnert sich noch gut an ihre Kindheit. "Immer gab es Überschwemmungen in Leichlingen. Die Keller waren voller Wasser", erzählt sie. Leichlingen sei dafür bekannt gewesen, dass man sich teilweise mit Booten auf den Straßen fortbewegte, da die Wupper wieder einmal übergelaufen sei. Im Sommer sei die Uferstraße immer staubig gewesen, ansonsten matschig.

Hilde Morsbach ist eine der Personen, die beim "Projekt Zeitzeugen" mitgemacht haben. Die Erinnerungen Leichlinger "Urgesteine" sollten auf Video dokumentiert und bewahrt werden. Es wurden regelrecht einstündige "Zeitzeugen"-Porträts ergestellt, die nun zusammengeschnitten und zahlreichen Gästen im Bürgerhaus "Am Hammer" in einer Art Dokumentation gezeigt wurden.

"Seit 2011 haben wir rund 30 Zeitzeugen interviewen können", erklärt Birgit Ferber, die beim Freundeskreis Stadtmuseum den Vorsitz hält. Gemeinsam mit Regisseurin Anne Effertz habe man auf eine möglichst große Bandbreite geachtet und sich inhaltlich nicht auf einen Bereich spezialisiert. So wurde unter anderem die Wupper thematisiert, die in den 60er Jahren fürchterlich stank.

Aber auch der Alltag wurde durchleuchtet. So gab es damals für 50 Pfennig rund 10 Kugeln Eis. Mit 10 Pfennig Kirmesgeld konnte ein Kind Karussell fahren und sich dann noch eine Kugel Eis gönnen. Dass das Karussell von einem Esel gezogen wurde, war da nur eine nostalgische Randbemerkung.

Die Aussagen des Films wurden immer wieder mit alten Bildern belegt, aber auch zahlreiches Kopfnicken von anwesenden Zeitzeugen bestätigte die Richtigkeit. Unter ihnen Hilde Morsbach. Sie wusste zwar, dass sie vom Freundeskreis Stadtmuseum interviewt worden war, hätte aber nicht gedacht, sich an diesem Abend selbst auf der Leinwand zu sehen.

Für den Verein ist das Stadtmuseum ein großer Traum, der laut Birgit Ferber allerdings in weite Ferne gerückt sei. Doch Bürgermeister Frank Steffes, der an dem Abend die einleitenden Worte sprach, ermutigte die Mitglieder weiterzumachen: "Manchmal geht manches schneller als man denkt. Ich gebe die Hoffnung zumindest nicht auf."

Der Verein möchte der Leichlinger Geschichte in den kommenden Jahren eine zeitgemäße Heimat geben. Doch ein historisches Museum, das modern, spannend und interessant für alle Altersgruppen sein soll, bleibt vorerst noch die Idee in den Köpfen der Gründungsmitglieder.

Quelle: RP
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