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Leichlingen
Die Leichlinger Schatzsucher

Leichlingen: Die Leichlinger Schatzsucher
Michael Kiesewalter (li.) und sein Freund Stefan Platthaus. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leichlingen. Michael Kiesewalter und Stefan Platthaus suchen seit zwei Jahren mit Metalldetektoren auf Äckern nach historischen Gegenständen. Ihr Ziel ist es nicht zwingend, reich zu werden, sie wollen auch ihre Heimat näher kennenlernen. Von Ina Bodenröder

"Bei Leichlingen gibt's einen Platz, da gruben zwei nach einem Schatz. Schon blinkte aus der Erde hold ein Kessel voll gemünztem Gold." Sollten auch Stefan Platthaus und Michael Kiesewalter bald zu ungeahntem Reichtum kommen, wie - frei wiedergegeben - Georg Bötticher schon im 19. Jahrhundert reimte? Schließlich suchen die beiden seit gut zwei Jahren mit Metalldetektoren nach Schätzen rund um Leichlingen.

Patronenhülsen gehören auch zu den Fundstücken. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Michael Kiesewalter winkt bei dieser Vorstellung aber ab: "Reich werden wir dabei mit Sicherheit nicht. Aber wir sind jeden Tag an der frischen Luft, lernen unsere Heimat kennen und setzen uns mit ihrer Geschichte auseinander." Auch Stefan Platthaus sieht sein Hobby als reinen Zeitvertreib: "Der überwiegende Teil dessen, was wir finden, ist Schrott." Einen Kessel voller Gold haben sie also noch nicht entdeckt, dafür aber über 500 Münzen aus der Ritterzeit bis zum heutigen Euro - und vor kurzem eine wertvolle Zierscheibe eines Pferdegeschirrs, auf der der Heilige Christophorus eingeprägt ist. "Die könnte rund 400 Jahre alt sein", sagt Kiesewalter.

Die Schatzsucher geben ihren Fund nun zur Analyse an den Landschaftsverband Rheinland (LVR) weiter, damit der feststellen kann, ob die Scheibe aus Gold, Messing oder Bronze ist. "Alles, was erkennbar mehr als 100 Jahre alt ist, müssen wir dem LVR vorlegen", sagt Stefan Platthaus. Möchte der es behalten, bekommen die Finder eventuell eine Entschädigung, genau geregelt ist das nicht. Ist der LVR nicht interessiert, steht die Hälfte den Findern, die andere dem Grundstückseigentümer zu, aus dessen Boden das Stück stammt. Zu ihren Funden gehören zudem Patronenhülsen aus dem Zweiten Weltkrieg und ältere Bleikugeln aus Vorderladern.

FOTO: Uwe Miserius

Etwas spezieller sind eine Münze aus dem Jahr 1666 und Teile eines Meteoriten, den Michael Kiesewalter zur Untersuchung ans Mainzer Max-Planck-Institut schicken wird. Außerdem haben die beiden eine Leichlinger Notgeld-Münze aus dem Jahr 1922, bis zu 400 Jahre alte Knöpfe und eine Art Gürtelschnalle in ihrem Fundus. Letztere gibt Stefan Platthaus Rätsel auf: "Es könnte auch eine Plakette sein. Darauf ist die Aufschrift "Bahnpolizei Beamter" mit Kaiserkrone und Kaiserwappen zu sehen", beschreibt er das Kupferteil. Suchen dürfen die beiden - mit offizieller Genehmigung des Verbandes - nur auf Äckern. Wald und Wiesen sind tabu.

Der Spätsommer ist derzeit günstig für die Sondengänger, weil viele Felder abgeerntet sind und sie so Platz für ihre Suche haben. Wo sie ihre Detektoren einsetzen, müssen sie am Jahresanfang - gebührenpflichtig - beim LVR anmelden: 2015 haben sie sich für Äcker bei Nesselrath, am Staderhof, in Junkersholz, Krähwinkel und am Hülserhof entschieden. Nebenbei haben Michael Kiesewalter und Stefan Platthaus auch eine praktische Verwendung für ihre Metalldetektoren: Wer daheim Schmuck oder Schlüssel sucht, kann sie engagieren.

Quelle: RP
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