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Leichlingen
Die Meisterin im Reinigen

Leichlingen: Die Meisterin im Reinigen
Christiane Picker wollte eigentlich Ärztin werden. Dann rutschte sie aber in den Familienbetrieb. Er besteht jetzt seit 40 Jahren. FOTO: RALPH MATZERATH
Leichlingen. Seit 40 Jahren sorgt der Familienbetrieb Picker in Leichlingen für saubere Kleidung. Von Ina Bodenröder

"Ich jonn su unwahrscheinlich jähn met dir en der Waschsalon, weil, do häss Ahnung vun dä Technik, vun der ich nix verstonn." Man könnte meinen, BAP-Sänger Wolfgang Niedecken besingt in seinem Lied "Waschsalon" Christiane Picker. Denn die hat Ahnung von der Technik und einen Waschsalon sowieso - oder besser gesagt: eine traditionsreiche Reinigung. In diesem Jahr schaut die Meisterin im Textilreinigerhandwerk auf vier Jahrzehnte Reinigungsbetrieb der Familie zurück.

Am 1. Oktober 1976 übernahm ihre Mutter Renate das Geschäft an der Kirchstraße 14a von den Schwestern Paula Wedler und Elvira Stachura. Während Renate in den Job noch "so reingerutscht" war, hat ihre Tochter das Handwerk von der Pike auf gelernt. Anfangs führte Vater Heribert Picker in der Kirchstraße 16a einen Lebensmittelladen, Mutter Renate direkt nebenan die Reinigung. Die Vorbesitzerinnen hatten sie eingeführt, früher gab es dafür keine spezielle Ausbildung. "Krieg' ich nicht weg, mach' mal weg" war damals wie heute der dringlichste Kundenwunsch, wenn's um widerspenstige Flecken ging.

Drei kleine Reinigungsmaschinen brachten der Wäsche in den 1970er Jahren den gewünschten Glanz zurück. In der Luft lag immer der typisch vertraute Reinigungsduft nach Perchlorethylen. Gereinigt wird damit heute noch, durch moderne Technik ist der markante Duft aber Vergangenheit. Und noch etwas hat sich geändert: 1991 zog die Reinigung in das größere Ladenlokal an der Kirchstraße 16a. "Die Umweltauflagen waren gestiegen, wir brauchten mehr Platz", erinnert sich Christiane Picker.

Sie hatte zunächst Medizin studiert, unterbrach aber, als ihre Mutter erkrankte. "Dann bin ich hier hängengeblieben", erzählt sie. 1997 machte sie ihren Meister, 1999 übernahm sie das Geschäft.

Heute ist die chemische Reinigung ein Vorzeigebetrieb für das Bergisch Gladbacher Umweltamt. Inspektorenanwärter lassen sich dort regelmäßig zeigen, wie eine moderne Reinigung funktionieren soll. "Dabei geht es vor allem um Sauberkeit sowie Wartung und Technik der Maschinen", sagt die Handwerksmeisterin. In ihrem Laden steht statt der drei kleinen Maschinen mittlerweile der "Porsche unter den Reinigungsmaschinen", mit 20 Kilo Volumen extra groß, damit auch Dekorateure lange Stoffbahnen reinigen lassen können.

In den letzten Jahren hat indes der Hemdenservice am stärksten zugenommen. "Weil in vielen Familien heute Mann und Frau berufstätig sind", sagt die Fachfrau. Erstaunen lösen die vielen frisch gebügelten Hemden derweil gerne bei älteren Frauen aus: "Sind die alle von Junggesellen?", fragen sie. Neben Fachwissen entscheiden auch einfache Dinge über reine Wäsche. "Meine Horrorvorstellung sind ausgelaufene Kugelschreiber. Taschenkontrolle ist deshalb am wichtigsten."

Quelle: RP
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