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Leichlingen
Die Spielarten der Ruhe im Leichlinger Orgelsommer

Leichlingen: Die Spielarten der Ruhe im Leichlinger Orgelsommer
Hatte am Wochenende ein Händchen für die passende Musikauswahl zum Wetter: Kantorin Tanja Luthner spielte beim Leichlinger Orgelsommer. FOTO: RM
Leichlingen. Dank der Außensanierung ist die evangelische Kirche derzeit perfekt abgeschattet. Innen war es zwar dunkel, aber dafür angenehm kühl am zweiten Abend in diesem Leichlinger Orgelsommer. Wärme gab es ausschließlich fürs Herz bei einem (fast) sortenrein romantischen Programm für Orgel und Violine. Von Monika Klein

Kantorin Tanja Luthner, die dieses Konzert spielte, hatte dazu ihren Musikerkollegen Alexei Silbert eingeladen. Der gebürtige Russe ist Konzertmeister bei den Bergischen Symphonikern.

An diesem Duo-Abend hatte er eher solistische Aufgaben, war verantwortlich für ausdrucksvolle Melodien, die von der Organistin einfühlsam getragen wurden. So jedenfalls gleich beim Eingangsstück, dem Präludium op.166 von Joseph Rheinberger. Ruhige Bewegung und wohlige Harmonik ließen die Besucher nach einem heißen Tag erst einmal runterkommen. Und danach ging es im langsamen Gang weiter, als hätten die Musiker die Wetterentwicklung geahnt und ihr Programm auf diese hochsommerlich schwüle Schwere abgestimmt.

Bei den Stücken der Romantik und französischen Spätromantik konnten die Zuhörer versonnen den Melodien nachhängen, die dennoch unterschiedlichen Charakters waren. Mal war es ein verhaltener aber inniger Dialog zwischen Orgel und Violine wie beim Adagio, das André Léon Caplet speziell für diese Besetzung komponiert hat, oder ein wonniges Nachtstück, Felix Mendelssohn Bartholdys "Nocturno", das Silbert wie ein beruhigendes Abendlied in dichtem Legato spielte. Oder ein melodisches Nachsinnen in dunstigen Orgelharmonien, die jenen Zustand zwischen Schlaf- und Wachphase spüren ließen, in der Musik "Après un Rêve" von Gabriele Fauré.

Als wieder andere Spielart der Ruhe folgte dessen "Pavanne" mit portato getupften Orgelakkorden, auf die der Geiger seine Tonlinie voller Melancholie legte. Wie ein stilles Gebet interpretierte das Duo das "Andante Religioso" des Fauré-Schülers Fernand Gustave Halphen. Und schließlich fehlte nur noch der gleitende Schwan bei der "Thais-Meditation" von Jules Massenet, eine endlos geschmeidige Ballettmusik, die Bilder von schwerelosen und weiche Bewegungen heraufbeschwor. Aus den Träumen weckte Tanja Luthner dann mit Mendelssohns A-Dur-Sonate.

Zum Abschluss stellte Alexei Silbert seine Virtuosität unter Beweis beim einzigen Barock-Stück des Abends, einer Chaconne von Tomaso Antonio Vitali. Die Zugabe leitete über zum geselligen Teil des Abends bei kalten Getränken im Innenhof: Fritz Kreislers "Liebesleid".

Quelle: RP
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