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Leichlingen
Erinnerung an Kriegsschrecken

Leichlingen: Erinnerung an Kriegsschrecken
Ausstellungs-Kuratorin Marie-Louise Lichtenberg und Verlagsleiter Hermann Schulz haben bei der Gedenkveranstaltung referiert. FOTO: Uwe Miserius
Leichlingen. Die Veranstaltungen im Bürgerhaus anlässlich des Kriegsendes vor 70 Jahren fanden gestern mit einem Vortrag und einer Lesung ihren Abschluss.

Auf die Tatsache, dass die Gegenwart nicht ohne die Vergangenheit denkbar ist, verwies Bürgermeister Frank Steffes direkt in seiner Eröffnungsrede: "Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges ist die Euro-Krise doch ein Luxusproblem. Wir dürfen trotz dieser Probleme nicht vergessen, dass die EU seit 70 Jahren Garant für Frieden ist."

Auch Verlagsleiter Hermann Schulz, der aus Sicht eines Zeitzeugen zu Erfahrungen der Kriegskindergeneration referierte, verwies darauf, dass man aus der Schreckenzeit der Nazis lernen müsse. Zum Beispiel, um gegenüber Flüchtlingen eine humane Haltung einzunehmen. Schwerpunkt seines interessanten Vortrages war aber beispielhaft aufzuzeigen, welche seelischen Verletzungen auf der Generation der vaterlos aufgewachsenen Männer lasten würden. Darüber hinaus machte Schulz auf ganz spezielle Umstände aufmerksam: "Wie soll jemand damit umgehen, dass sich sein Vater freiwillig zum Dienst in Auschwitz gemeldet hat?" Marie-Louise Lichtenberg las aus ihrem Buch "Zwischen Glück und Grauen". Das Buch ergänzt ihre gleichnamige Ausstellung, die in den vergangenen Tagen im Bürgerhaus zu sehen war. Besagte Ausstellung zeigt Porträtaufnahmen von Überlebenden des Holocausts. Das Buch wiederum enthält die eindringlichen Geschichten dieser Überlebenden. Es umfasst insgesamt 29 Berichte, vier von diesen bekamen die rund 20 Besucher im Bürgerhaus zu hören. So auch die Geschichte von Hugo Höllenreiner, der mit neun Jahren nach Auschwitz deportiert wurde. Auschwitz sei schlimm gewesen, aber Bergen-Belsen noch schlimmer: "Dort gab es nur Tod." Weiter beschreibt Lichtenberg in ihrem Buch, wie Höllenreiner sie aufgefordert habe eine Faust zu machen: "Versuchen sie mal einem Toten die Faust zu öffnen - das ist so schwer. Eine Faust hat immer bedeutet, dass sich darin entweder Essen oder eine Nachricht befindet."

Die Veranstaltung bestimmte dabei vor allem eine Forderung: Die Schrecken des Zweiten Weltkrieges dürften nicht vergessen werden.

(aks)
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