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Leichlingen
Experte: Feuchte Hitze verleiht Ameisen Flügel

Leichlingen: Experte: Feuchte Hitze verleiht Ameisen Flügel
Unter dieser Kinderrutsche hat Rainer Bartels ein frisches Nest entdeckt. "Kein Grund zur Sorge", befindet er. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leichlingen. Kommt nach der Wespen- jetzt die Ameisenplage, sorgen sich in diesem Sommer diverse Leichlinger. Wir haben einen Experten gefragt. Von Peter Korn

Ortstermin in einem Leichlinger Reihenhaus-Garten: Die Familie macht sich Sorgen, weil in diesem Sommer nach ihrem empfinden "viel mehr Ameisen bei uns auftauchen, als im Vorjahr". Sogar unter den Spielgeräten der Kinder hätten sich die Tiere breitgemacht. Sie wollen wissen: "Müssen wir Gift einsetzen?"

FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Termine wie diesen kennt Rainer Bartels zur Genüge. Er ist einer der gefragtesten Schädlingsbekämpfer im Land. Der 61-Jährige hält Vorträge und Seminare im In- und Ausland, sitzt im Prüfungsausschuss der Industrie-und Handelskammer. Bartels, dessen Firma "Rattex" in Solingen beheimatet ist, kann so schnell nichts aus der Fassung bringen - erst recht nicht das Problem aus Leichlingen..

"Wir haben in jedem Jahr Anrufer, die sich über Ameisen Sorgen machen", sagt er. Eine wirkliche Plage gebe es jedoch in den seltensten Fällen. Auch in diesem Jahr in Leichlingen nicht, - da gebe es oft ähnliche Hysterie wie wie bei den Wespen.

In minutenschnelle hat Bartels die Situation analysiert: Er kippt die Plastikrutsche der Kinder zur Seite und entdeckt ein frisches Nest, das die Ameisen aufgeschüttet haben: "Das wird jetzt innerhalb von wenigen Minuten verschwinden, weil die Tiere es sofort wieder unter die Erde verlegen", weiß der Schädlingsbekämpfer. Denn: "Ameisen haben nicht die geringste Lust, mit Menschen in Kontakt zu kommen." Deshalb muss sich die Familie auch keine Sorgen um ihren Sandkasten machen - "die Tiere lernen sehr schnell, dass sich da viel zu oft Menschen aufhalten".

Auch die Angst vor Ameisenstraßen, die ins Gebäude führen, sei meist unbegründet - es sei denn, die Küche befindet sich nebenan und es liegen proteinhaltige Lebensmittel/Kohlenhydrate offen herum. Das sei wie eine Einladung, "aber selbst dann ist es nicht gesagt, dass die Ameisen tatsächlich hereinkommen", sagt Bartels.

Den Leichlinger Fall hat er schnell abgehakt: "Hier gibt es zwar sechs bis acht Völker der roten Rasenameise, aber die werden in den nächsten Wochen ohnehin sterben - und die Königinnen, die dann ausfliegen, um neue Völker zu gründen, landen in aller Regel woanders."

Das allerdings sei jedes Jahr ein großes Schauspiel: "Wenn es feuchte Hitze gibt, produzieren die Völker zu tausenden Könige und Königinnen, die dann auf einen Schlag losfliegen", berichtet der Experte. Ihr Ziel: sich in einer bestimmten Höhe in der Luft zu paaren. "Das Männchen fällt dann tot zu Boden, das Weibchen gründet ein neues Ameisenvolk", berichtet Bartels - es sei denn, es gehöre zu jenen 98 Prozent, die vorher von Vögeln gefressen werden. Für die sei solch ein Tag nämlich ein wahres Schlemmerfest.

Die Leichlinger Familie muss sich Bartels zufolge keine Sorgen machen - so wie die meisten anderen: "Gift", sagt der Experte, "müssen wir nur in den allerseltensten Fällen verwenden."

Quelle: RP
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