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Familie aus Leichlingen erlebte Unwetter in Italien
"Wir haben um unser Leben gefürchtet"

Unwetter in Norditalien: Mehrere Menschen wurden verletzt
Leichlingen. Schwere Unwetter sind über Norditalien gezogen. Eine Familie aus Leichlingen steckte auf einem Campingplatz fest und erlebte, wie umstürzende Bäume Autos unter sich begruben. Von Sebastian Fuhrmann

Am Freitagmorgen heulen auf dem Campingplatz Capalonga, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Venedig, die Motorsägen. Helfer zerlegen umgestürzte Kiefern, richten Wohnmobile auf und schaffen Berge von Trümmern weg. So schildert es Marcus Bremer aus Leichlingen. "Die meisten Hauptverkehrsstraßen sind wieder frei, und die Sonne scheint schon wieder", sagt er.

Gemeinsam mit seiner Frau Tordis (43) und den beiden Kindern Finja (12) und Mick (9) macht Bremer derzeit Urlaub in Italien. Am Donnerstag erlebte die Familie die Unwetter mit, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden. "Wir waren am Strand. Zunächst sah alles noch ganz harmlos aus, nur der Himmel verfärbte sich dunkelblau", berichtet der 43-Jährige. Als sich das Unwetter abzeichnete, habe sich die Familie auf den Weg zum Wohnanhänger gemacht. "Wenig später haben wir uns nur noch festgehalten und gehofft, dass wir nichts abkriegen", sagt Bremer, er spricht von einem "Inferno".

Der Leichlinger Marcus Bremer im Sommerurlaub in Italien. FOTO: Marcus Bremer

Die Familie hatte Glück. Sowohl Eltern und Kinder als auch ihr Hab und Gut blieben unversehrt. Angesichts der Bilder, die Bremer während und nach dem Sturm aufnahm, grenzt das an ein kleines Wunder. Dutzende große Nadelbäume auf dem Campingplatz hielten dem starken Wind nicht stand. "Es hat vor allem gestürmt, kaum geregnet", erzählt Bremer. Ein Baum krachte so wuchtig auf ein Wohnmobil, dass es umstürzte. Andere wurden vom Sturm entwurzelt, zerschlugen die dünnen Wände von Campern oder begruben Autos unter sich. "Wir hatten Angst um unser Leben und haben in unserem Vorzelt gekauert", sagt Bremer. "Das war das schlimmste Unwetter, das wir hier bislang erlebt haben."

Mindestens eine Frau auf dem Campingplatz wurde schwer verletzt. "Sie wurde von einem Gegenstand am Bauch getroffen. Sie hatte Schmerzen und womöglich innere Blutungen. Weil die Straßen verstopft waren, mussten wir sie auf ein Boot bringen, um sie an der Küste entlang zum nächsten Arzt zu bringen", berichtet Bremer. Der 43-Jährige betreibt ein Elektrotechnik-Fachgeschäft, ehrenamtlich fährt er in Leichlingen-Metzholz seit 17 Jahren Rettungseinsätze. Auf dem Campingplatz kümmerte er sich mit um die Verletzten, leistete Erste Hilfe.

Unwetter verwüstet italienischen Campingplatz FOTO: Marcus Bremer

"Meine Frau hatte natürlich erst einmal den Kaffee auf", sagt Bremer. Die Situation habe sie und vor allem die Zwölfjährige stark verunsichert. "Meine Tochter hat geweint." Dennoch wolle die Familie auch die nächsten zwei Wochen in Italien bleiben. "Passieren kann uns überall etwas." Seit einigen Jahren macht die Familie im Sommer Urlaub in Italien, dazu hat sie sich einen eigenen Wohnanhänger zugelegt. Auch im nächsten Jahr will sie wiederkommen. 

 
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