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Leichlingen
Firmenchef Marseille: "Schäme mich für die Stadt"

Leichlingen: Firmenchef Marseille: "Schäme mich für die Stadt"
Auf dem Gelände der Firma Marseille Kunststoffe darf keine Ansiedlung des Naturstein-Großhändlers Seltra erfolgen. FOTO: firma
Leichlingen. In einer Stellungnahme betont der Unternehmer, er fühle sich von Rat und Verwaltung regelrecht hintergangen. Von Peter Clement

Am Tag nach der Entscheidung schlugen die Emotionen bei den Betroffenen hoch: Montagabend hatte der Leichlinger Stadtrat mit breiter Mehrheit entschieden, einen Bebauungsplan für ein kleinteiliges Gewerbegebiet Am Stockberg aufzustellen und mit Hilfe einer Veränderungssperre die geplante Ansiedlung des Naturstein-Großhändlers Seltra auf dem Gelände der Firma Marseille Kunststoffe zu verhindern.

Gestern nun fand Firmenchef Reinhold Marseille, dem mit Verweis auf die Gemeindeordnung das Rederecht im Rat verweigert worden war, deutliche Worte für das Vorgehen von Rat und Verwaltung aus seiner Sicht.

Durch die "eiligst einberufene" Sondersitzung und den Ratsbeschluss fühlten er und sein Vertragspartner Seltra sich "förmlich hintergangen", teilte der Geschäftsmann unserer Redaktion mit. Marseille wollte den Naturstein-Großhändler Seltra 2017 auf seinem Firmengelände ansiedeln - nach dem jetzt gefassten Beschluss ist dort jedoch nur noch kleinteiliges Gewerbe erlaubt.

"Der Beschluss steht vollkommen im Gegensatz zu den vorherigen kooperativen und positiven Gesprächen mit der Stadtverwaltung", kritisierte Marseille gestern: "Die Gesellschaften haben von den Gegebenheiten erst durch die Presse erfahren. Anderweitige Äußerungen seitens der Verwaltung entsprechen nicht der Wahrheit."

Seltra-Geschäftsführer Uwe Thumm zeigte sich gestern enttäuscht darüber, "dass nicht einmal der Versuch eines Kompromisses" unternommen worden sei: "Wir sind auch an anderen Standorten mit dem Kfz-Meister von nebenan und anderem kleinteigen Gewerbe in guter Nachbarschaft vertreten. Warum also nicht auch hier?"

Weil Seltra eine zu große Fläche benötige, hieß es dazu aus dem Rathaus: "Damit ist kleinteilige Gewerbeansiedelung an dieser Stelle praktisch ausgeschlossen", sagte Bürgermeister Frank Steffes (siehe auch nebenstehendes Interview mit dem Verwaltungschef).

Reinhold Marseille kann den Argumenten der Stadt und der Ratsmehrheit - die CDU hatte sich im Vorfeld gegen die Veränderungssperre ausgesprochen, SPD, Grüne, UWG, BWL, FDP und die Linke waren dafür - jedenfalls nichts abgewinnen: "Der Vorwand, etwas Geordnetes ordnen zu wollen, ist in sich unschlüssig und soll anscheinend ganz andere Beweggründe vernebeln", argwöhnte der Unternehmer gestern.

Und schließlich legte er noch einmal nach: "Der Rat hat der Stadt keinen Gefallen getan", befand Marseille: "Ich schäme mich sehr für diese Stadt!"

Quelle: RP
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