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Leichlingen
Flüchtlinge lernen den Schulalltag

Leichlingen: Flüchtlinge lernen den Schulalltag
Konrektorin Britta Arends mit den Klassenlehrerinnen Anja Lischak und Annette Kruff sowie den neuen Schülern. FOTO: uwe miserius
Leichlingen. Rückkehr in einen normalen Alltag soll die internationale Vorbereitungsklasse für 20 Schüler zwischen zehn und 16 Jahren ermöglichen, die gestern in der Realschule an der Wupper ihre Arbeit aufgenommen hat. Das Kommunale Integrationszentrum hat sie in die neue Klasse vermittelt. Essind Asylbewerber und Spätaussiedler, die in Leichlingen leben, ihre Schulbildung ist unterschiedlich. Von Ina Bodenröder

"Nabi beispielsweise ist 16 Jahre alt und kommt aus dem Senegal. Er spricht fließend englisch und französisch und wird bestimmt in drei Jahren Abitur machen", erzählt Konrektorin Britta Arends. Wie das Bildungsniveau der anderen ist, lässt sich derzeit schlecht einschätzen. "Zeugnisse haben die meisten nicht, die Lehrer müssen jetzt den Lernstand feststellen", sagt Arends. Wichtigstes Ziel aber ist es, den Jugendlichen die deutsche Sprache beizubringen. Die steht deshalb mit zwölf Wochenstunden auf dem Stundenplan, dazu kommen Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, praktische Philosophie über die unterschiedlichen Religionen und Gesellschaftslehre. Letzteres hält die Konrektorin für sehr wichtig: "Die Schüler sollen Deutschland kennenlernen und ein Basiswissen über das Land erhalten." 33 Wochenstunden kommen so zusammen, für Sport und Kunst werden die Jugendlichen auf passende Regelklassen aufgeteilt. "Der gemeinsame Unterricht soll dazu beitragen, dass sich die Vorbereitungsklasse zur Schule dazugehörig fühlt", erklärt Britta Arends.

Geleitet wird die Klasse von Anja Lischak und Annette Kruff. Das Kollegium bringt sich besonders ein. Denn zusätzliche Lehrer hat die Realschule nicht bekommen. "Die Bezirksregierung hat zwar 173 Stellen bewilligt, doch es gibt gar nicht so viele Bewerber, und für die Vorbereitungsklasse werden nur Deutsch-Englisch- und Französischlehrer eingestellt. Wir aber bräuchten jemanden für Biologie", sagt Arends. So bleibt die Stelle unbesetzt, die Schule organisiert sich selbst. Hilfe bekommt sie unter anderem vom Leichlinger Lions-Club, die Ehrenamtler geben Deutsch-Einzelunterricht. Die Schüler der neunten und zehnten Klassen übernehmen Patenschaften für die Neuankömmlinge, um sie mit dem Schulalltag vertraut zu machen. "Außerdem wollen wir Patenschaften unter Eltern vermitteln, um die Ausstattung der Schüler für den Schulalltag zu ermöglichen", kündigt Arends an. Maximal zwei Jahre besuchen die Schüler die Vorbereitungsklasse, dann steht der Wechsel in eine Regelklasse an. "Ich möchte den Kindern unbedingt gerecht werden. Denn wenn sie nicht zur Schule gehen, haben sie als Erwachsene Probleme", sagt die Konrektorin.

Quelle: RP
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