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Leichlingen
Gesundheitskarte für Flüchtlinge: Start bis Herbst

Gesundheitskarte für Flüchtlinge
Leichlingen. Spätestens zum 1. Oktober soll in Leichlingen eine eigene Gesundheitskarte für Flüchtlinge eingeführt werden. Vorbild ist das Solinger Modell, mit dem die Beteiligten in der Nachbarstadt zwei Monate nach dem Start sehr zufrieden sind. Von Roman Zilles

Die Nachbarstadt war einen Schritt schneller: Bereits im April hat Solingen eine eigene Gesundheitskarte für Flüchtlinge eingeführt. In Leichlingen erfolgt dieser Schritt womöglich noch in diesem Jahr. Nachdem die Politik im vorigen Herbst die Planungen dafür angeschoben hat, soll nun ein entsprechender Beschluss gefasst werden. Nächste Woche wird das Thema zunächst im Sozialausschuss beraten, Anfang Juli soll der Stadtrat entscheiden. Erfolgt die Zustimmung, soll die Karte schnellstmöglich, spätestens aber zu Beginn des vierten Quartals - im Oktober - eingeführt werden.

Von einem solchen Vorhaben versprechen sich die Verantwortlichen mehrere Vorteile. So soll einerseits für Asylbewerber der Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessert werden, andererseits sollen Verwaltungsmitarbeiter entlastet werden. Denn bislang ist es so, dass vor jedem Arztbesuch das Sozialamt einen Krankenschein ausstellt. Dieser Zwischenschritt würde künftig entfallen. Von der Einführung einer allgemeinen Gesundheitskarte für Flüchtlinge, wie sie einige Städte in NRW vorgenommen haben, wurde wegen der damit verbundenen Kosten abgesehen: Sozialdezernent Ingolf Bergerhoff führte seinerzeit dazu aus, dass 350 Leistungsberechtigte Kosten von 42.000 Euro für die Stadt aufgeworfen hätten.

Vorbild der Blütenstadt soll nun das Modell in Solingen sein. Dort ist man gut zwei Monate nach Einführung sehr zufrieden. "Es wurde von allen Beteiligten gut angenommen", sagt Iris Erkelenz. Zwar habe es in der Anfangszeit einige Anrufe von Ärzten gegeben, "weil es Unsicherheiten gab, was behandelt werden darf und was nicht", berichtet die Abteilungsleiterin des Stadtdienstes Soziales in Solingen. Aber inzwischen habe sich das Ganze eingespielt, und es sei eine deutliche Entlastung der Sozialamtsmitarbeiter spürbar. Auch vonseiten der Flüchtlinge gebe es kaum Beschwerden. Eher im Gegenteil. Es scheint, dass die Karte für viele von ihnen einen offizielleren Charakter hat als die bisherigen Krankenscheine aus Papier. "Die gingen des Öfteren verloren oder wurden mitgewaschen", sagt Erkelenz. Zudem sei eine Karte beim Arztbesuch weniger stigmatisierend für die Betroffenen als der Papier-Schein.

Hergestellt wurden die Solinger Karten von der Stadtverwaltung in der eigenen Druckerei. Sie wurden zum 1. April an alle registrierten Asylbewerber ausgegeben. Neu zugewiesenen Flüchtlinge erhalten sie kurzfristig nach ihrer Ankunft in der Klingenstadt. Dazu gibt es immer auch einen Flyer in mehreren Sprachen, in dem unter anderem wichtige Hinweise über die Leistungsansprüche stehen. Zum Beispiel, dass Behandlungen nur bei akuten Erkrankungen oder Schmerzzuständen gewährt werden. Daneben sind Schwangere prinzipiell zu Arztbesuchen berechtigt. Die Karte selbst kommt ohne Foto aus. Missbrauch soll vorgebeugt werden, indem das Dokument nur in Verbindung mit einem gültigen Lichtbildausweis beziehungsweise gültigem Aufenthaltstitel akzeptiert wird.

Während bereits jetzt alle Beteiligten Zeit und Nerven sparen rund um die Arztbesuche, sei noch nicht absehbar, wie viel sich finanziell durch die eigene Gesundheitskarte sparen lasse. "Vermutlich können wird das erst im September oder Oktober beziffern", sagt Erkelenz. "Aber wir gehen in jedem Fall von einer deutlichen Ersparnis aus."

Quelle: RP
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