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Leichlingen
Getötet: trächtiges Reh mit zwei Kitzen

Leichlingen: Getötet: trächtiges Reh mit zwei Kitzen
"Menschen dürfen Rehkitze nicht berühren, die Mütter nehmen sie sonst nicht mehr an": Diese eigentlich bekannte Warnung muss Revierpächter Olaf Küster jedes Jahr erneut aussprechen. FOTO: Jürgen Moll
Leichlingen. Revierpächter Olaf Küster bittet Hundehalter dringend, ihre Vierbeiner anzuleinen. Die Setzzeit der Rehe hat begonnen. Spaziergänger, vor allem mit Hunden, stören sie und treiben sie auf die Straßen. Schon fünf Rehe sind so umgekommen. Von Gundhild Tillmanns

Sehr traurig ist der Leichlinger Revierpächter Olaf Küster: In den vergangenen Tagen sind eine hochträchtige Ricke mit zwei Kitzen im Bauch in Leichlingen-Balken überfahren worden. Kurz davor sei ein vermeintlich hilfloses Rehkitz von einem sogenannten Tierfreund in der Nähe des Ausflugslokals Wietsche aufgenommen und zu einem Tierarzt gebracht worden: "Dabei müsste inzwischen doch eigentlich jeder wissen, dass man Rehkitze nicht anfassen darf", sagt der Jäger. Denn vom Menschen berührte Rehkitze werden vom Muttertier nicht mehr angenommen. Das musste sich der "Tierfreund" dann auch von dem Veterinär sagen lassen. "Wir versuchen zwar noch, das Kitz im Tierheim aufziehen zu lassen, aber die meisten sterben, wenn sie erst mal vom Menschen berührt worden sind", bedauert Küster.

Seit fünf Jahren betreut er gemeinsam mit einem Kollegen das Jagdrevier zwischen Murbach und Weltersbach. Doch jedes Jahr müssten die Jäger wieder erneut vor derselben Problematik warnen, die eigentlich längst bekannt sein müsste: "Das betrifft gerade auch die die Hundebesitzer", sagt Küster. Denn das trächtige Reh sei von einem Hund aufgeschreckt worden und nur deshalb über die Straße gelaufen, wo es dann überfahren wurde. Dabei habe die Geburt der beiden Kitze kurz bevorgestanden: "Und sie wären auch lebensfähig gewesen", sagt der Revierpächter. Deshalb bittet er alle Hundebesitzer, die in Balken und an deren waldnahen Stellen mit ihren Vierbeinern spazieren gehen, diese zumindest für die nächsten sechs Wochen noch anzuleinen. Denn die Setzzeit der Rehe habe jetzt begonnen: "Und die Tiere brauchen einfach ihre Ruhe", betont Küster. Er unterstelle den Hundebesitzern auch nicht, dass sie ihre Vierbeiner jagen ließen: "Es genügt aber schon, wenn sich die Rehe gestört fühlen", verdeutlicht er.

Und Küster macht eine traurige Bilanz auf: "Im vergangenen Jahr haben wir im Revier nur drei Rehböcke geschossen, neun sind aber auf der Straße umgekommen." Bereits jetzt seien mit dem Muttertier und den zwei Kitzen, dem Reh aus der Wietsche, das wohl nicht durchkommen werde, und einem zusätzlichen überfahrenen Rehbock schon vier bis fünf Tiere aufgrund menschlicher Uneinsichtigkeit und Fahrlässigkeit umgekommen, zählt er auf.

Lob hat der Jäger allerdings für die Leichlinger Landwirte parat: "Die Bauen machen das gut. Sie melden sich vor dem Mähen immer, damit wir Jäger die Wiesen vorher abgehen und nach Wild suchen können", berichtet der Revierpächter. So habe er bei einer Wiesenbegehung am Dienstag einen Hasen retten können. "Ich gehe mit meinem Hund dann zwei Stunden lang durch die Wiesen und suche alles ab. Trotzdem können uns Kitze leider dadurchgehen, weil sie keinen Eigengeruch haben und der Hund sie nicht aufspüren kann." Das wiederum sei aber von der Natur gewollt. Denn Füchse und andere "natürliche" Jäger könnten die Rehkitze eben auch nicht wittern.

Ein örtlicher Landwirt benutzte einen sogenannten Wildretter vor seinem Traktor. Der gebe Töne von sich und schlage zumindest die Rehe in die Flucht, die sich fortbewegen können. Für die ganz jungen Kitze gilt dies in den nächsten Wochen aber noch nicht, berichtet der Revierpächter.

Quelle: RP
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