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Leichlingen
Graffiti - so echt wie ein Foto

Leichlingen: Graffiti - so echt wie ein Foto
Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass das Werk kein Foto, sondern ein Graffiti ist. Im Auftrag von Kommunen, Firmen und Privatleuten besprüht Tank Conzen freie Flächen. FOTO: Conzen
Leichlingen. Der Leichlinger Tank Conzen (33) hat in der weltweiten Szene einen Namen für gesprühte Porträtbilder. Von Ina Bodenröder

Ein Blick allein genügt meist nicht: Wer zum ersten Mal die Werke des Leichlinger Künstlers Tank Conzen sieht, weiß oft nicht sofort, ob es sich um fotografierte oder gemalte Bilder handelt. Der 33-Jährige ist Meister auf dem Gebiet der fotorealistischen Graffiti, hat in der weltweiten Szene einen Namen für großflächige, äußerst detaillierte Porträtbilder aus der Sprühdose. Seit einem Jahr konzentriert sich der Leichlinger wieder ausschließlich auf die Malerei, nachdem er viele Jahre als "Senior Art Director" in Werbeagenturen gearbeitet hat. "Ich brauche diesen Wechsel, sonst brenne ich aus", sagt Conzen.

Begonnen hat seine Leidenschaft für die Graffiti-Malerei in seiner Jugend. Bereits mit 16 Jahren gab er sein gesamtes Geld für Buntstifte, Kunstbücher und Sprühdosen aus - schon damals mit Hang zum figürlichen Malen. "Zum Üben habe ich Bauwagen von Bekannten oder Abrissgebäude bemalt", erzählt Conzen.

Illegale Graffiti hätten ihn nie besonders gereizt. "Man sieht im Dunklen nichts, außerdem müsste ich dafür nachts aufstehen", sagt er. Den ersten offiziellen Auftrag erhielt er mit 18, sollte ein Garagentor mit zwei großen Buchstaben versehen. Später malte er vermehrt auf Leinwand, seine Werke wurden immer fotorealistischer. Als Vorlagen dienten oft Bilder aus Hip-Hop-Zeitschriften.

Tank Conzen bei einer Aktion im Brückerfeld. Das spätere Werk entsteht anhand einer Vorlage. FOTO: Michael Kiesewalter

Mittlerweile ist Tank Conzen, der im Laufe der Jahre eine Ausbildung zum Mediengestalter und ein Studium für Kunst- und Mediendesign absolvierte, eine feste Größe in der Graffiti-Szene, ist viel gereist, um sich mit Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen. "Höchstens fünf Prozent von uns haben überhaupt Interesse daran, so zu malen wie ich", erzählt er. Am besten gefalle ihm die Graffiti-Szene in Großbritannien. "Die Leute dort haben ein gutes Selbstverständnis für Dinge, die nicht der Norm entsprechen", sagt Conzen. Zu seinen Auftraggebern gehören Unternehmen wie die Deutsche Bahn, deren Stromhäuser er zum Blickfang machte. Aber auch Privatleute und Kommunen zählen dazu. "Städte beauftragen mich, um sich vor ewig beschmierten Wänden zu schützen."

In der Szene gebe es Respekt vor seinen Werken, so dass in 20 Jahren noch nie eines übersprüht worden sei. In Leichlingen ist eines seiner Bilder zwar aktuell nicht mehr zu sehen, doch viele werden das große Graffiti auf der rückwärtigen Wand des Kaufparks am Wupperbegleitweg noch in Erinnerung haben.

Aktuell ist er wieder im Gespräch mit der Leichlinger Stadtverwaltung. Eventuell soll er einige besonders unattraktive Flächen im Stadtgebiet bemalen, Details will er aber noch nicht verraten. Bilder von Tank Conzen gibt es im Internet unter: www.tanknow.de

Quelle: RP
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