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Leichlingen
Gymnasium-Bücherbasar steht vor dem Aus

Leichlingen. Fast zehn Jahre nachdem er ins Leben gerufen wurde, sind die Tage des Bücherbasars gezählt. Bislang war das Angebot im Erdgeschoss des Rathauses untergebracht, nun möchte die Stadt die Räume aber selbst nutzen. Von Roman Zilles

Schon einmal drohte der Auszug. Vor fünfeinhalb Jahren. Damals hatten Politiker die Idee, ein Info-Zentrum zur Innenstadtgestaltung einzurichten. Aber es kam anders. Weder aus dem Zentrum im Rathaus noch aus der Innenstadtgestaltung ist bisher etwas geworden. Nun aber steht der Bücherbasar des Fördervereins des Gymnasiums bald tatsächlich ohne Räume da. Und das Ganze trägt ein ganz klein wenig die Züge von der Vertreibung aus dem Paradies.

Als solches ist das ehemalige Restaurant Toscana im Erdgeschoss des Rathauses zwar nicht auf dem ersten Blick zu erkennen. Aber für den "Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Leichlingen" boten die Räumlichkeiten alles, was es brauchte: genug Platz, "und wir durften sie kostenlos nutzen", sagt Stephanie Gebhardt, Vorsitzende des Fördervereins, und bestätigte auf Anfrage den bevorstehenden Auszug, der bis spätestens Februar 2017 erfolgen soll.

Natürlich seien alle ehrenamtlichen Helfer enttäuscht. "Aber wir sind nicht verärgert", bekräftigt Gebhardt. "Vielmehr sind wir der Stadt dankbar, dass wir so viele Jahre unsere Bücher dort verkaufen durften. Und es war von Anfang an klar, dass das Angebot nur so lange gilt, bis die Räume von der Stadt selbst benötigt werden." Dies sei nun der Fall, bestätigt Leichlingens Bürgermeister. "Angesichts von drei Wahlen im nächsten Jahr brauchen wir die Räume als Wahlbüro", sagt Frank Steffes und fügt an, dass es stets "eine hervorragende Nachbarschaft" mit dem Bücherbasar gewesen sei und es "nie einen Grund zur Klage gegeben habe".

Sollte nicht noch völlig überraschend von irgendwoher ein Angebot erfolgen, gibt es für den Bücherbasar wohl keine Zukunft über Februar 2017 hinaus. Davon geht Gebhardt aus. Denn eine passende "Immobilie" zu finden, sei wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Zumal neben ausreichend Fläche für die zahllosen Krimis, Ratgeber, Kinder- und Jugendbücher am neuen Standort weitere wesentliche Bedingungen erfüllt werden müssten. Erstens müsste ein solches Angebot an zentraler Stelle in der Stadt untergebracht sein, damit es lohnt. Zweitens müsste der neue Standort eine langfristige Perspektive bieten (Gebhardt: "Alle Helfer machen das freiwillig, da kann man es niemandem zumuten, ständig umzuziehen"). Und, ganz wichtig, drittens: Bezahlen kann der Förderverein für die Räume nicht. "Die kostenlose Unterbringung war eine Grundvoraussetzung. Denn der Bücherbasar darf nicht zu einem Kostenfaktor werden. Ansonsten verlieren wir unser Ziel aus den Augen: die finanzielle Unterstützung des Gymnasiums."

Genau dies war die Idee, als Horst Kraemer das Angebot vor fast zehn Jahren ins Leben rief. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Arnim Hölzer etablierte der damalige Fördervereins-Vorsitzende den Basar im ehemaligen Kaufhaus Enßlen. Dort, genau wie nach dem Umzug ins Rathaus war das Geschäftsprinzip einfach: Bürger gaben nicht mehr benötigte Bücher ab, die im Anschluss zu Schnäppchenpreisen verkauft wurden. Die heutige Preisliste lässt sich bequem in zwei Zeilen zusammenfassen: ein Kinderbuch: 50 Cent; ein Buch für Erwachsene: ein Euro.

Außer, dass die Annahme von neuen alten Büchern gestoppt wird, bleibt vorerst auch alles beim alten. Der Bücherbasar öffnet weiterhin zu den gewohnten Zeiten, verspricht Gebhardt. Also: mittwochs von 10 bis 13 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.

Was in jedem Fall bleibt, sind schöne Anekdoten. Gebhardt ist besonders die ältere Dame im Gedächtnis geblieben, die dem Förderverein einst einen Stapel Krimis mit den Worten überließ: "Ich weiß, wer der Mörder ist. Jetzt kann es jemand anderes herausfinden." Derweil berichtete Horst Kraemer einmal von einer recht kuriosen Bücherspende: Nachdem ihr Mann gestorben war, habe eine Frau ihn gebeten, einige Bücher-Kisten abzuholen. Bei näherer Betrachtung stellte sich die Spende als sechs Kartons voller Erotiklektüre heraus. Ein Ladenhüter sei daraus nicht geworden, wie Kraemer verriet: "Am nächsten Tag kam ein Mann und kaufte uns alle sechs Kisten ab."

Quelle: RP
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