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Leichlingen
"Heitmann, übernehmen Sie!"

Leichlingen. Ronald Hillbrenner (59) tritt als Chef der Freiwilligen Feuerwehr zurück. Björn Heitmann (38) wird sein Nachfolger. Von Cristina Segovia-Buendía

Im Juni wird der scheidende Stadtbrandmeister Ronald Hillbrenner (59) Schlüssel und Verantwortung für alle freiwilligen Kameraden der Blütenstadt seinem Nachfolger Björn Heitmann (38) überreichen. Nach sechs Jahren an vorderster Front und vier Jahrzehnten im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr hat der gebürtige Westfale beschlossen, seinen Posten für den Generationenwechsel zu räumen.

Eine einfache Entscheidung war es angesichts der vielen Jahre nicht, allerdings eine sehr bewusste, wie er sagt: "Ehrlicherweise muss man sich eingestehen, dass man mit dem Alter länger braucht - ähnlich wie ein alter Akku, der auch nicht mehr so schnell lädt." Für Hillbrenner, der Ende des Jahres seinen 60. Geburtstag feiern wird, war daher der Moment gekommen, um zumindest als Wehrführer abzutreten. "Zum Glück gibt es in unseren Reihen Nachwuchs, der bereit ist dieses Amt zu übernehmen. Und bei Björn Heitmann habe ich ein gutes Gefühl."

1957 in Marl geboren, trat Hillbrenner im Alter von 19 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimatstadt ein. "Zu der Zeit hatte ich eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und suchte eine technische Abwechslung. So kam ich zur Feuerwehr", berichtet er. "Diese Entscheidung habe ich nie bereut." Das Tätigkeitsfeld in der freiwilligen Wehr sei immer "extrem abwechslungsreich" gewesen.

Und die Beziehung zwischen Ehrenamt und Beruf habe sein Leben bereichert: "Was ich aus meinem Beruf kannte, konnte ich bei der Feuerwehr einbringen und umgekehrt genauso." Etwa die Strategie, einmal ganz um das Objekt herumzugehen, was Hillbrenner als Einsatzleiter immer beherzigt hat. Es gehe darum, sich das Ganze anzuschauen, um nicht voreilig zur ersten Gefahrenquelle zu laufen. "Manchmal lauert hinter dem Haus die weitaus größere Gefahr."

In seiner beruflichen Laufbahn habe er dieses Vorgehen immer beherzigt, betont Hillbrenner. "Umgekehrt haben mir Verhandlungsstrategien aus meinem Beruf beim Umgang mit der Verwaltung sehr geholfen."

Nach seinem Abitur 1980 studierte Hillbrenner Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal und zog 1986 mit einer Anstellung bei einem Kölner Versicherungsunternehmen in der Tasche nach Leichlingen. Im Mai 1986 trat er dem ersten Löschzug bei.

Nach dem beruflichen Aufstieg bis zum Prokuristen folgte der Aufstieg in der Feuerwehr: 1995 absolvierte er die Ausbildung zum Brandmeister, wurde Gruppenführer, 2003 stellvertretender Zugführer der ersten Löschgruppe, im Folgejahr absolvierte er die Ausbildung zum Brandinspektor. 2005 wurde Hillbrenner Mitglied des Führungsstabs des Rheinisch-Bergischen Kreises, 2008 Stadtbrandinspektor. "Ich war jetzt zehn Jahre in der Wehrleitung. Worauf ich besonders stolz bin, ist, dass in dieser Zeit niemand meiner Kameraden ernsthaft zu Schaden gekommen ist." Viele prägende Einsätze sei er gefahren. "Der Silo-Brand im letzten Jahr ist mir aufgrund seines zeitlichen Ausmaßes von 120 Einsatzstunden, in Erinnerung geblieben."

Aber es waren auch die vermeintlich kleineren Einsätze, die außer seiner Familie kaum einer zu sehen bekam. Wie der an einem Samstagabend. Hillbrenner saß gemütlich mit seiner Frau auf dem Sofa, als es an der Tür klingelte. "Ein Feuerwehrmann, der hauptberuflich beim Wasserversorger arbeitet, informierte mich, dass wegen eines Problems das Wasser abgestellt wurde." Hillbrenner setzte die Handlungskette in Bewegung: Er telefonierte mit seinen Kameraden, schrieb Einsatzpläne um, stellte seine Mannschaft so auf, damit im Notfall trotz abgestelltem Wasser gelöscht werden könnte. "Man kann sich ja vorstellen, wie es ist, wenn man ein Feuer löschen will und plötzlich kein Wasser aus dem Hydranten kommt. Auf so etwas muss man vorbereitet sein." An jenem Abend saß er bis nach Mitternacht an der Organisation. "Damit war der Samstagabend für mich gelaufen."

Bürgermeister Frank Steffes ist voll des Lobes: "Ich habe mit Herrn Hillbrenner in den drei Jahren sehr kollegial und immer ziel- und sachorientiert zusammengearbeitet", sagt er. "Seine Fachkompetenz war stets sehr hilfreich, wenn es darum ging, gemeinsam mit der Verwaltung Ziele umzusetzen und unseren Brandschutz sicherzustellen." Viele Tipps hat Hillbrenner für seinen Nachfolger nicht. "Er bringt schon reichlich Erfahrung mit."

Seit 26 Jahren nämlich ist auch Björn Heitmann bei der Freiwilligen Feuerwehr. Zwar in Wermelskirchen geboren, ansonsten aber ein waschechter Leichlinger, entdeckte der heute 38-Jährige früh seine Leidenschaft für die Brandbekämpfung in der Jugendfeuerwehr. Der gelernte Gas-und Wasserinstallateur, der nun als Gartenlandschaftsbauer arbeitet und Grünflächen pflegt, ist wie sein Vorgänger Brandoberinspektor und führt seit drei Jahren den Löschzug IV in Witzhelden als Stellvertreter.

Vor seiner offiziellen Ernennung als Hillbrenners Nachfolger stellte er sich bei allen Einheiten persönlich vor. "Alle Kameraden der Stadt standen hinter mir", sagt Björn Heitmann. Der 38-Jährige weiß, dass er "in große Fußstapfen" tritt. "Herr Hillbrenner hat eine super Arbeit geleistet. Ich werde das Rad nicht neu erfinden müssen."

Als neuer Chef der Freiwilligen Feuerwehr möchte Heitmann in seiner Amtszeit vor allem eines: "Unsere leistungsstarke Feuerwehr weiter ausbauen, den Nachwuchs stärken und unsere aktive Einheit festigen." Unterstützung seitens der Stadt darf sich der Neue gewiss sein: "Herrn Heitmann habe ich als sehr engagierten und motivierten jungen Mann kennen gelernt, der eine hohe Akzeptanz in der gesamten Feuerwehr genießt und einen guten Zugang zu den Aktiven hat", sagt Bürgermeister Frank Steffes über den Neuen. "Aufgrund seiner Fach- und Führungskompetenz ist er als Nachfolger von Ronald Hillbrenner geeignet, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit."

Quelle: RP
 
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