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Leichlingen
Hotel-Minibar wird zum Ammoniak-Risiko

Leichlingen. Ein Überbleibsel aus dem ehemaligen "Hotel am Stadtpark" hat jetzt eine gefährliche Alterserscheinung offenbart. Von Peter Korn

Die Minibars waren als erstes weg. "Die haben wir so verkauft", erzählte der damalige Bürgermeister Ernst Müller im Jahr 2007. Zehn Euro das Stück, da wollten viele zuschlagen und sich einen solchen Minikühlschrank sichern.

Damals versuchte die Leichlinger Stadtverwaltung mit Hilfe des Internets, einen Teil der Einrichtung aus dem "Hotel am Stadtpark" an den Mann zu bringen. Die Stadt hatte das Hotel einige Zeit zuvor selbst ersteigert.

Zum Verkauf standen damals unter anderem Betten, Garderobenschränke, Wandverkleidungen mit Koffer- und anderen Ablagen sowie Spiegel - alles aus den früheren Gästezimmern der Herberge. Insgesamt suchte die Verwaltung für 26 komplette Hotelzimmereinrichtungen Interessenten.

Doch ausgerechnet der größte Renner - eben jene vorab verkauften Minibars - geben jetzt Anlass zur Sorge. Ein Leverkusener, der so ein Gerät seinerzeit erworben hatte, nahm am Wochenende plötzlich einen Ammoniakgeruch wahr, als er die Türe öffnete. Der Mann reagierte sofort: Er schloss die Kühlschranktür, öffnete das Fenster und ließ das Gerät über die Hausverwaltung entsorgen. Gleichwohl fragt er sich jetzt: Haben auch noch andere solche gefährlichen Ex-Hotelutensilien?

Nach Angaben von Stadtsprecherin Ute Gerhards finden sich in den Rathausbüros keine Kühlschrank-Hinterlassenschaften aus Hotelzeiten mehr: "Die Minibars waren doch schon alt, als wir sie damals abgegeben haben", sagte sie. Tatsache ist: In Kühlschränken kam Ammoniak früher oft zum Einsatz: Als Flüssigkeit, die bei ganz niedrigen Temperaturen verdampft, war es bestens geeignet. Gasförmiges Ammoniak kann vor allem über die Lungen aufgenommen werden. Dabei wirkt es durch Reaktion mit Feuchtigkeit stark ätzend auf die Schleimhäute. Auch die Augen werden durch die Einwirkung von Ammoniak stark geschädigt. Der unangenehme Geruch, der schon bei niedrigen Konzentrationen wahrnehmbar ist, bildet jedoch auch eine gute Warnung, so dass Vergiftungsfälle mit Ammoniak selten sind.

Gleichwohl rät Leichlingens stellvertretender Feuerwehrchef Andreas Hillecke: "Im Zweifel immer die Feuerwehr rufen. Wir können das Zimmer mit Atemschutz betreten und professionell durchlüften." Und jeder, der einen solchen Uraltkühlschrank noch besitze, müsse sich der Gefahr bewusst sein.

Was Ammoniak anrichten könne, so Hillecke, habe beispielsweise der Fall Wiesenhof gezeigt. Eine ganze Produktionshalle des Geflügelfleisch-Produzenten Wiesenhof in Lohne war vor kurzem evakuiert worden, weil Ammoniak ausgetreten war.

125 Euro hatte übrigens das von der Stadt Leichlingen seinerzeit festgesetzte Minimalgebot für eine der 26 kompletten Hotelzimmereinrichtungen gekostet - allerdings ohne Minibar. Wer weiß, wozu es gut war.

Quelle: RP
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