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Leichlingen
Innenstadt-Desaster: Kaufland als letzte Rettung?

Leichlingen. Philipp Kiefer, Besitzer des Rewe-Areals, will Wohnbebauung - und erntet Kritik, auch vom früheren Geschäftsfreund, dem Architekten Reiser. Von Peter Clement

Rund eine Stunde lang besprachen sich die Herren am Mittwochnachmittag bei Kaffee und Wasser "in freundlicher, konstruktiver Atmosphäre", wie es gestern hieß. Und doch stand danach fest: Bürgermeister Frank Steffes und Innenstadt-Investor Philipp Kiefer sind, was die weitere Entwicklung der City anbelangt, weiter voneinander entfernt als je zuvor.

Kurz nach dem Termin im Rathaus hatte Kiefer bereits angekündigt, mit ihm als Projektverantwortlichem sei eine Gewerbe-Nutzung des bisherigen Kaufpark-Geländes nicht mehr zu machen. Er selbst wolle sich nun nur noch auf Wohnbebauung hin zur Wupper konzentrieren(wir berichteten).

Die Handelskette Rewe hat den Mietvertrag für den Kaufpark gekündigt, wird das Geschäft Anfang 2017 verlassen und ist an einer weiteren Anmietung nicht mehr interessiert, weil sie dann offenbar auf das Gelände des bisherigen Kaiser's- Supermarktes wechselt.

Kiefers Ankündigung löste gestern jede Menge Kritik aus. Matthias Ebecke, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Leichlinger Stadtrat, forderte so schnell wie möglich Initiativen, Kiefer das Grundstück abzukaufen und selbst weiterzuentwickeln, sei es nun als Stadt oder mit der Unterstützung eines anderen Investors. "Wir haben nichts gegen Wohnbebauung", sagte Ebecke. Aber es dürfe nicht sein, dass von der angestrebten Aufwertung der Innenstadt mit Geschäften und Öffnung zur Wupper am Ende nur ein Wohnplatz übrig bleibe.

Auch die Leichlinger CDU sieht "im Erdgeschoss immer noch einen Lebensmittel-Vollsortimenter als realistisch an", kann sich ansonsten laut Fraktionschef Helmut Wagner allerdings "sehr gut eine Wohnbebauung an der Wupper vorstellen".

Bürgermeister Frank Steffes (SPD) kündigte gestern Mitag an, er wolle bis zur Stadtratssitzung in der kommenden Woche alle seine Kontakte und Netzwerke anzapfen, um die Gewerbenutzung mit einem Lebensmittel-Vollsortimenter weiter zu sichern: "Das ist auch für die Nahversorgung des Innenstadtbereichs unverzichtbar, gerade für Leute, die nicht mehr so mobil sind", sagte Steffes. Vor einiger Zeit habe beispielsweise die Firma Kaufland bei ihm angefragt und ihr Interesse bekundet.

Kaufland als letzte Rettung? Einer, der sich das sehr gut vorstellen kann, ist der Stuttgarter Architekt Bernhard Reiser. Sein Büro MESA hat immer wieder viel beachtete Planungsvarianten vorgelegt, die teils beschlossen und für gut befunden wurden, später dann aber wieder zerredet - oder auch solche, die es von vornherein schwer hatten.

Seinen jüngsten Entwurf einer Stadtgalerie mit Neubau des Rathauses hat er immer noch auf der Homepage seines Unternehmens freigeschaltet. Aus gutem Grund, wie er sagt: "Alle Planungen, die Herr Kiefer bisher angeblich vorgelegt hat, gehören unserem Unternehmen. Daher können wir sie auch weiterhin promoten, wie wir wollen. Herr Kiefer selbst besitzt nichts, außer dem Grundstück."

Reiser wirft dem Leichlinger Geschäftsmann viele handwerkliche Fehler vor gepaart mit "einer gewissen Beratungsresistenz". So habe der Architekt, als Kiefer kurz nach der Wahl von Frank Steffes zum neuen Leichlinger Bürgermeister einen neuen Entwurf für die Innenstadtplanung präsentieren wollte, darauf gedrängt, statt einem großen Baukörper zwei reduzierte vorzustellen, "einfach weil eine Stadt wie Leichlingen keine gigantischen Dimensionen benötigt". Kiefer habe jedoch auf der größeren Variante beharrt, "mit dem Erfolg, dass uns schon in der Sitzung eine Wand aus Ablehnung entgegenschlug".

Mit Kaufland als Partner würde der Architekt gerne zusammenarbeiten: "Neben Rewe und Edeka bildet Kaufland die dritte Säule im deutschen Lebensmittelbereich", sagt Reiser. Die Lebensmittel-Einzelhandelskette mit Sitz in Neckarsulm ist Bestandteil der Schwarz-Gruppe, zu der auch der Discounter Lidl gehört. Derzeit unterhält der Konzern rund 1200 Märkte in Deutschland. Eventuell bald auch in Leichlingen?

Grundstücksbesitzer Kiefer will in den nächsten Tagen erst einmal den Mietvertrag mit dem Fitness-Studio Sportpalast verlängern. Es gebe aber Ausstiegsklauseln, die einem Abriss oder Verkauf des Gebäudes nicht im Wege stehen, wenn jemand auf ihn zukomme und ihm ein Angebot mache. Er wolle lediglich verhindern, "dass das Haus nach dem Rewe-Auszug zur Bauruine wird".

Quelle: RP
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