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Leichlingen/Leverkusen
IS-Kennzeichen sorgen für Diskussionen

Leichlingen/Leverkusen. Wegen der Befürchtung, dass bei Fahrzeug-Zulassungen das Buchstaben-Kürzel "IS" gewünscht wird wegen der Nähe zum Islamischen Staat, sind Behörden sensibilisiert. Im Kreis wird vorerst nichts geändert - anders als in Leverkusen. Von Roman Zilles

Es ist ein Nummernschild, wie es zuhauf durch Leichlingen und den Rheinisch-Bergischen Kreis fährt: GL-IS. Ein weit gereister Alpinist mag dabei vielleicht an die gleichnamige Gemeinde in der Schweiz denken, ein sprachbegabter Tierliebhaber vielleicht an den Siebenschläfer, da der wissenschaftliche Name des possierlichen Nagers "Glis" lautet. Aufmerksame Stadtbedienstete sehen einem solchen Auto-Kennzeichen womöglich berufsbedingt hinterher, ohne an die Schweiz denken, ohne hinter dem Steuer Ingo Schmitz oder Irene Schneider zu vermuten. Und wenn, dann denken sie dabei vielleicht an eine ganze andere Art von Schläfern.

Denn es kursiert die Befürchtung, dass sich bei Zulassungen von Fahrzeugen als Buchstaben-Kürzel in der Mitte "IS" gewünscht wird, um auf diese Art womöglich Sympathie mit der Terrormiliz Islamischer Staat zum Ausdruck zu bringen. In Düsseldorf soll die Stadtverwaltung deshalb sogar bereits entsprechende Anfragen zurückgewiesen haben. Im Kreishaus in Bergisch Gladbach ist man davon noch entfernt. "Wir kennen das Thema, haben es diskutiert und beobachten das Ganze auch. Aber es gab in dieser Hinsicht noch keine Anfragen bei uns", sagt Frank Kolitsch, Leiter des Amtes für Straßenverkehr beim Kreis.

Dort werden prinzipiell alle Nummernschilder mit GL-Kennung vergeben, die von Kunden nachgefragt werden und die frei sind. Allein im letzten Monat seien 3400 Wunsch-Kennzeichen vergeben worden - der Klassiker in dieser Hinsicht sind nach wie vor die Namens-Initialen. "Darin spiegelt sich wohl der allgemeine Wunsch der Menschen nach Individualisierung wider", sagt Kolitsch. Seine Behörde setzt dem keine Grenzen. Zumindest keine zusätzlichen. Denn grundsätzlich verboten wegen ihrer Bedeutung im Nationalsozialismus sind in NRW seit den 1980er Jahren fünf Kombinationen: NS, HJ, SS, SA und KZ.

Alles andere wird vom Kreis wie gehabt zugeteilt. Denn, gibt Kolitsch zu bedenken: Wenn die Zuteilung von IS-Nummernschildern verboten würde, "was machen wir dann mit den Kennzeichen, die bereits zugelassen wurden und herumfahren?" Daher werde man die Lage weiter beobachten und sich darüber mit anderen Behörden austauschen. Vorerst verzichte man aber auf Änderungen, wie sie etwa in Leverkusen vorgenommen wurden. Zwar können sich dort weiterhin Jeans-Liebhaber ein LEV-IS und Senioren-Fahrgemeinschaften ein OP-IS wünschen. Auch dort hält man sich "strikt an das, was uns von Gesetzen und Verordnungen vorgegeben wird", sagt Friedhelm Laufs (Leverkusen). Aber der Leiter und sein städtischer Fachbereich Straßenverkehr haben dennoch auf das sensible Nummernschild-Thema reagiert: "Von uns aus werden keine Kennzeichen mit den Buchstaben IS mehr herausgegeben. Wenn sich allerdings jemand diese Kombination wünscht, dann bekommt er sie auch." Zwar habe niemand ein Anrecht auf ein bestimmtes Nummernschilder. "Aber wenn etwas vom Gesetzgeber nicht verboten wurde, dann muss man natürlich hinterfragen, ob man es als Kommune verbieten sollte", sagt Laufs.

Sein Amtskollege in Bergisch Gladbach stellt die Frage, wie viele Bürger denn beim Anblick eines IS-Kürzels auf einem Kennzeichen tatsächlich an die Terrormiliz denken. Zudem: "Es gab auch mal jemanden, der hat sich beklagt, dass auf einem Nummernschild die Zahl 666 stand - weil das angeblich für den Teufelskult steht", sagt Frank Kolitsch. Auf dem Kennzeichen seines Autos steht im Übrigen: GL-FK. "Und es gibt nur eine Nummernschild-Kombination, die ich noch schöner finde: Das ist die meiner Frau."

Quelle: RP
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