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Leichlingen
Kilometerweise Gehirnverknüpfungen bei der ersten Leichlinger Kinder-Uni

Leichlingen. Dass im menschlichen Gehirn vom Kindesalter an rund 100 Milliarden Gehirnzellen vorhanden sind, die im späteren Verlauf des Lebens jeweils mit 1000 bis zu einem Meter langen Verknüpfungen versehen sind, war selbst für die meisten Erwachsenen eine völlig neue Erkenntnis. Würden die Stränge aneinandergelegt, sie gingen 145 Mal um die Erde - durchaus beeindruckende Zahlen. Von Tobias Brücker

Noch beeindruckender müssen diese Werte auf die 220 Kinder der KGS Kirchstraße gewirkt haben. Auf spielerische Art und Weise - jedoch auch mit dem nötigen Ernst - wurde ihnen in der Aula des Leichlinger Gymnasiums die Krankheit Alzheimer Demenz nähergebracht. Dafür wurde die Aula unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Frank Steffes kurzerhand zur Kinder-Universität - ein Programm, das in den großen Städten NRWs bereits lange zu finden ist. "Ich habe mir eine solche Veranstaltung gewünscht. Es ist jedoch schwierig, mit allen Kindern nach Köln oder Düsseldorf zu fahren", erzählte Direktorin Gabriele Berger.

Zum Glück ist Neuropsychologin Elke Kalbe nicht nur an der Uniklinik Köln tätig, sondern auch Mutter eines Kindes, das die Grundschule in der Kirchstraße besucht. So übernahm Kalbe mit ihrer Doktorandin Ann-Kristin Folkers die Aufgabe. "Die Vorbeugung von Alzheimer beginnt bereits im Kindesalter", betonte Kalbe die Wichtigkeit des Vortrags. Lehrt sie normalerweise Studenten, musste sie sich für die Erst- bis Viertklässler deutlich umstellen. "Wir haben drei Abende damit verbracht, unsere Sprache umzustellen", erzählte sie lachend.

Und das gelang: Die Kinder hatten Spaß, lernten viel und durften immer wieder mitmachen. So warfen sich zum Beispiel zehn Schüler ein Wollknäuel zu, von dem sich ein Faden löste. So wurde auf kindgerechte Art die Entstehung der Verknüpfungen im Gehirn veranschaulicht.

Doch was passiert denn nun, wenn Omi die Brille auf einmal in den Kühlschrank legt? Nun, bereits ab einem Alter von 40 Jahren gehen die Verknüpfungen der Gehirnzellen zurück. Bei Alzheimerpatienten ist vereinfacht gesagt besonders der Hippocampus betroffen, der die Form eines Seepferdchens hat und für die Erinnerung zuständig ist - daraus ergeben sich viele weitere Probleme wie Wortfindungsschwierigkeiten oder Orientierungslosigkeit.

Im Großen und Ganzen entstehen im Gehirn Lücken, die sich mit Flüssigkeit füllen. Was dagegen hilft, ist einfach: Gehirntraining, Bewegung, soziale Kontakte und gesunde Ernährung - auch schon im Kindesalter.

Quelle: RP
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