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Leichlingen
Krimi-Lesung zieht von der Scheune ins Wohnzimmer

Leichlingen: Krimi-Lesung zieht von der Scheune ins Wohnzimmer
Gemütliche Atmosphäre: Krimi-Autorin Brigitte Glaser liest vor rund 40 Gästen - überraschend nicht in der Scheune, sondern in der guten Stube der Familie Conrads. FOTO: Miserius
Leichlingen. Claire Güllen war seit 30 Jahren nicht mehr im Sauerland. Sie wohnt nun in Australien, hat es zu Reichtum gebracht. Doch jetzt muss sie zurück in die alte Heimat, denn ihr Vater ist gestorben. Was sie bei ihrer Rückkehr erlebt, liest Krimi-Autorin Brigitte Glaser in der Bergischen Bauernscheune der Familie Conrads den rund 40 Gästen zum 25-jährigen Jubiläum des Fördervereins Stadtbücherei vor. Von Tobias Falke

Eigentlich hätte die Lesung, die unter dem Motto "an außergewöhnlichen Orten" stand, in der Scheune stattfinden sollen. Doch das nasskalte Wetter bewog die Veranstalter, das Geschehen ein Stockwerk nach oben zu verlegen. Und so bekamen die Zuhörer eine Wohnzimmerlesung im Hause Conrads.

"Das macht mir überhaupt nichts aus", erzählt die Besitzerin, Stephanie Conrads. Wichtig sei doch, dass sich die Gäste wohlfühlen. "Ich finde es faszinierend, wie schnell und einfallsreich die Verantwortlichen hier umgebaut haben", sagt die Autorin.

Sie liest an diesem Abend aus ihrem Buch "Bitter und Böse" drei Krimi-Kurzgeschichten aus der Region. "Zapfenstreich" heißt die erste und spielt im "Sündenwäldchen" in der Gemeinde Bestwig, die zum Hochsauerlandkreis gehört. Protagonistin Claire Güllen kommt in ihre Heimat zurück, aus der sie einst floh. Auf der Beerdigung ihres Vaters begegnet sie ihrem Vergewaltiger. Ausgerechnet er gibt ihrem Vater die letzte Ehre. Um sich an ihm zu rächen, setzt sie eine Belohnung aus: 100.000 Euro für den, der ihren Peiniger zu Tode bringt.

Die Geschichte erinnert an Friedrich Dürrenmatts Werk "Der Besuch der alten Dame". Nicht umsonst heißt die Hauptperson Claire, wie auch bei seinem Stück. Der Nachname Güllen erinnert an den Ort von Dürrenmatts Geschichte, und auch dort hatte das Wäldchen eine besondere Bedeutung.

"Der Kurzkrimi ist tatsächlich eine Hommage an Friedrich Dürrenmatt", erklärt Brigitte Glaser. Während es Dürrenmatt allerdings mehr um die Käuflichkeit der Gesellschaft gegangen sei, wolle sie das Hauptaugenmerk auf das Schicksal der Protagonistin lenken. Ein guter regionaler Krimi solle, auch wenn die einzelnen Orte eine große Rolle spielen, immer die Figuren mit ihren Geschichten an die erste Stelle setzen: "Für mich als Romanautorin sind Kurzgeschichten Ausflüge in noch nie verwendete Erzählstile, das Liebäugeln mit Figuren, die ich in einem Roman nie einsetzen würde, oder das Erproben von ungewöhnlichen Dialogen."

Glaser ist im Schwarzwald aufgewachsen, studierte in Freiburg Pädagogik. Heute lebt sie in Köln und ist als Medienpädagogin in der Erwachsenenbildung tätig. "Bitter und Böse" beinhaltet mehr als ein Dutzend kurzer Krimis, ist gespickt mit kulinarischen Rezepten und im Handel erhältlich. Info www.brigitteglaser.de

Quelle: RP
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