| 11.22 Uhr

Leichlinger mit 89 Jahren gestorben
Otto Kunze wollte auf Müllerhof traditionelle Landwirtschaft betreiben

Leichlingen: Der Erbauer des Müllerhofes ist gestorben
Wie aus einer anderen Zeit: Der Müllerhof sollte traditionelle Landwirtschaft und modernste Prozessoptimierung miteinander verbinden. FOTO: Miserius(1)/Ribbeck(1)
Leichlingen. Sein Lebenstraum wird leider nicht mehr wahr: Otto Kunze, der Erbauer des Müllerhofes ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hatte auf dem prächtigen Gutshof nach oberschlesischem Vorbild mit traditionell betriebener Landwirtschaft effektiv und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft vernünftige Erträge erzielen wollen. Von Bernd Rosenbaum

Kunze war Schreinermeister, der in Düsseldorf einen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Handwerksbetrieb für Holzarbeiten aufgebaut hatte. In Leichlingen wollte er sich einen Kindheitstraum erfüllen. 1987 kaufte er den damals stark verfallenen Müllerhof mit den dazu gehörenden fast 27 Hektar Land, um sich dort seiner alten Leidenschaft zu widmen: der Landwirtschaft. Mit dem Planungsbüro Schneider, das 1998 der Architekt Clemens Kudla übernahm, entwarf Kunze eine Gutshofanlage nach oberschlesischem Vorbild.

Prächtige Hofanlage nach historischen Vorbildern

Otto Kunze erschuf in Leichlingen den Müllerhof. FOTO: Gerd Ribbeck

Kunze, 1929 in Schlesien geboren, wuchs in der Landwirtschaft auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste er die alte Heimat verlassen und radelte 1945 nach Düsseldorf. Von der Stadt am Rhein hatte ihm sein Vater erzählt. Dort baute er mit viel handwerklichem Geschick eine erfolgreiche Schreinerei auf. Dabei verschaffte er sich einen besonderen Ruf durch anspruchsvolle kunsthandwerkliche Arbeiten.

Diese Begeisterung für Details steckte er viele Jahre später auch in den Müllerhof. Nach dem Kauf des Areals ließ er die alten Gebäude abreißen und eine prächtige Hofanlage nach historischen Vorbildern errichten, die aussieht, als wäre sie aus der Zeit gefallen - komplett mit Türmchen, Erkern, Galerien und reihenweise Gauben.

Schlesien in Leichlingen: Gutshof historischer Prägung. FOTO: Gerd Ribbeck

"Das ist alles grundsolide gebaut, mit großer Akribie und besten Materialien", bescheinigt auch Gerd Ribbeck. Der Leichlinger Schreinermeister und Massivholzbauer lernte Kunze vor etwa 25 Jahren kennen. "Weil ich so neugierig war und auf dem Gelände einfach mal nachgefragt habe, was dort passiert", erzählt Ribbeck. So habe er sich mit Kunze angefreundet - und ihn vor einem Jahr mit seinem Vater Gerhard Ribbeck bekannt gemacht. Auch der ist, wie Kunze, in der Landwirtschaft großgeworden. "Die beiden haben sich auf Anhieb prächtig verstanden", sagt Gerd Ribbeck.

Von seinem Kindheitstraum erzählte Kunze auch dem Düsseldorfer Bauprojekt-Planer Rainer Kohl. "Kunze wollte einen klassischen Gutshof mit Pferden und Pflügen statt Traktoren bewirtschaften", schildert Kohl: "Da ihm die Mühsal der zu verrichtenden Arbeiten durch den elterlichen Hof sehr präsent waren, hatte er eine Vielzahl von Prozessoptimierungen in das Gebäude eingeplant, um am Ende des Tages mit traditionell betriebener Landwirtschaft effektiv und im Sinne einer Kreislaufwirtschaft vernünftige Erträge zu erzielen." Kunzes Familie - er hat vier Töchter - sollte mit Anhang auf dem Hof ihr Domizil finden, so der Plan.

30 Jahre baute Otto Kunze an seinem Traum. Doch die Zeit lief ihm davon. Die moderne Landwirtschaft entwickelte sich dramatisch weiter. Inzwischen ließe sich der Hof - trotz der durchdachten, optimierten Prozessabläufe - nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

FOTO: Gerd Ribbeck

Zudem haben sich auch die Lebensentwürfe seiner Töchter anders entwickelt, so dass Otto Kunzes Traum nun nicht mehr wahr wird.

Der Müllerhof geriet zum Politikum

2004 besuchte der städtische Bauausschuss bei einem Ortstermin den Müllerhof. Anlass waren Zweifel von einzelnen Ausschussmitgliedern daran, dass die Hofgebäude aufgrund ihrer riesigen Ausmaße nur für die Landwirtschaft konzipiert sind. Spekuliert wurde stattdessen eine Pferdepension oder ein Hotel. Beides wäre aber in dem Außenbereich im Landschaftsschutzgebiet, in dem der Müllerhof liegt, nicht zulässig. Die kritischen Fragen des Ausschusses verliefen damals im Sande.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichlingen: Der Erbauer des Müllerhofes ist gestorben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.