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Doppelinterview Dirk Schmidt und Steffen Kirchner
Lob von Deutschlands Top-Mentaltrainern

Dirk Schmidt gehört zu den gefragtesten Motivations-Experten im deutschsprachigen Raum. Der Bestsellerautor arbeitet mit Weltmeistern, Fußball-Bundesligisten und Top-Managern zusammen. Steffen Kirchner spielt als Mentalcoach ebenfalls in der Top-Liga. Auch er betreute Nationalteams wie die Deutsche Turner-Nationalmannschaft sowie Bundesliga-Athleten und Teams verschiedenster Sportarten wie die Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga. Von Peter Clement

Sportlehrer Klaus Worms und Vereinscoach Carsten Haberland haben ihr Team wieder einmal über sich hinauswachsen lassen. Was ist entscheidend, um eine Mannschaft zu solch einer Top-Leistung zu bringen, die ihr der Gegner nicht zutraut?

Kirchner Den beiden ist es ganz offensichtlich gelungen, ein echtes Team zu bilden. Dazu gehört immer eine Vision - wie sie Jürgen Klinsmann beispielsweise beim Fußball-Sommermärchen 2006 geschaffen hat. Damit konnten sich alle identifizieren. Und jeder bekam das Gefühl vermittelt, dass sein Beitrag wichtig ist - vom Mannschaftskapitän bis hin zum Ordner auf der Fanmeile. Etwas ähnliches ist hier offenbar auch gelungen.

Schmidt Es geht vor allem darum, in jedem Mitglied des Teams das Gefühl zu wecken, dass seine Arbeit wertgeschätzt wird und es nicht nur ein gesichtsloses Rädchen im Getriebe ist. Anders ausgedrückt: Der Trainer muss Begeisterung für die Sache wecken, indem er Begeisterung für jedes einzelne Teammitglied zeigt. Das funktioniert in der Wirtschaft übrigens wie im Sport.

Bedeutet richtige Motivation also in allen Lebenslagen mehr Erfolg?

Kirchner Jeder kann erfolgreicher werden in allem, was er macht. Entscheidend ist, dass die Bereitschaft geweckt wird, auch etwas zu tun, das man eigentlich nicht so gerne macht - beim Musiker können das Technikübungen sein, beim Sportler das Krafttraining und beim Sachbearbeiter vielleicht die Abrechnungen. Bin ich entsprechend motiviert und überzeugt davon, dass diese Arbeit wichtig ist und mich meinem Erfolg näher bringt, fällt sie mir leichter.

Schmidt Basketballstar Dirk Nowitzki hat mir einmal gesagt, 20 Prozent seines Erfolgs seien auf Talent und harte Arbeit zurückzuführen - 80 Prozent dagegen auf mentale Stärke. Darum geht es auch bei der Motivation: Wer erst einmal begriffen hat, dass auch die ungeliebten Teile der Arbeit oder des Trainings dabei helfen, erfolgreich zu sein, dem wird das nächste Mal genau jener ungeliebte Part deutlich leichter fallen. Das ist eine Kopfsache.

Wie wichtig ist es, dass es Lehrer oder Trainer wirklich ernst meinen , wenn sie zu motivieren versuchen?

Schmidt Um es auf den Punkt zu bringen: Genau das ist der Unterschied zwischen Motivation und Manipulation. Wenn ich als Coach immer wieder betone, wie wichtig gute Leistung ist, aber dem Teammitglied nur ein halbherziges Feedback gebe, hat das manipulativen Charakter. Aber auch, wenn ich von meinen Leuten verlange, dass sie ihre Persönlichkeit an der Kabinentür abgeben, hat das nichts mit Motivation zu tun. Jeden individuell wertschätzen, seine Qualitäten erkennen und ihm seinen Fähigkeiten entsprechend eine Aufgabe geben verbunden mit dem Hinweis, dass es auf jeden Beitrag ankommt - das motiviert und führt zum Erfolg.

Kirchner Wer es wie in diesem Fall ja offenbar schafft, rund um die Spieler auch noch ein Team zu scharen, das zwar nicht auf dem Platz steht, die Vision aber genauso lebt und sich je nach der eigenen Stärke einbringen kann - sei es als Cheerleader, Fanartikel-Verkäufer oder Fahrer - der schafft zusätzlich eine starke Gemeinschaft, die das Spielerteam trägt. Die kann für so manche Überraschung sorgen.

Quelle: RP
 
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