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Leichlingen
Löschproblem bei Solaranlagen

Leichlingen: Löschproblem bei Solaranlagen
Arbeiter bauen eine Photovoltaik-Anlage auf ein Hausdach. FOTO: TMN
Leichlingen. Saubere Energie vom eigenen Dach, das liegt im Trend: Photovoltaik-Anlagen. Doch die Solarkollektoren haben eine Schattenseite. Im Brandfall erschweren sie der Feuerwehr die Arbeit – und können lebensgefährlich werden. Von Sebastian Kunigkeit

"Die Solaranlagen sind in der Tat ein Problem", sagt auch Leichlingens oberster Brandbekämpfer, Feuerwehrchef Horst Schmidtberg. Er und seine Kameraden blieben bislang von einem solchen Einsatz verschont. Anders in Rösrath, wo ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz einen schweren Stromschlag erlitt. Das Problem: "Man kann den Strom nicht abschalten", erklärt Schmidtberg. Wann immer Licht auf die Kollektoren falle, stehe die Leitung zwischen der Anlage auf dem Dach und dem Wechselrichter unter Strom. Das Gerät wandelt den produzierten Gleichstrom in Wechselstrom um – und ist oft im Keller installiert. Ein Problem für die Feuerwehrleute, wenn es darüber brennt.

Gefährliche Leitungen

Wo die gefährlichen Leitungen verlaufen, wissen die Feuerwehrleute nicht. Selbst das Scheinwerferlicht der Feuerwehr reichten nachts, um die Anlagen in Gang zu setzen, sagt Schmidtberg. Die Spannung (bis zu 900 Volt) ist potenziell lebensgefährlich, falls die Feuerwehrleute eine Leitung berühren oder aus zu geringer Entfernung löschen. "Das ist nicht schön, da müssen wir im Dachstuhlbereich mit äußerster Vorsicht vorgehen", sagt Schmidtberg. Das Leben der Feuerwehrleute gehe vor, im schlimmsten Fall müsse man völlig auf einen Innenangriff verzichten.

Es gibt aber noch ein zweites Problem: "Die Kollektoren verhindern, dass Löschwasser im Außenangriff dahin kommt, wo es hin soll", erklärt der Feuerwehrchef. Das gelte zwar auch für Dachpfannen – die könne man aber recht einfach zerstören oder entfernen, bei den Solarzellen gehe das nicht.

Keine einfache Lösung in Sicht

Eine Lösung gibt es bisher nicht. Theoretisch könnte man die Solaranlage abdecken, damit sie keinen Strom mehr erzeugt. "Da hat es diverse Versuche gegeben", erzählt Schmidtberg. Doch ob Schaum, Spezial-Gel oder nasse Decken – alle Ideen hätten sich als nicht praktikabel erwiesen. Aktuell werde diskutiert, die Kollektoren kurzerhand anzustreichen.

Schmidtberg ist skeptisch: "Da müssten wir ja im Brandfall mit Leiter und Malerrolle aufs Dach klettern", wendet er ein. Das Problem müsse letztlich von den Herstellern der Photovoltaikanlagen angegangen werden. "Ideal wäre es, wenn man den Strom direkt an der Solarzelle abschalten könnte", sagt Schmidtberg, "keine Ahnung, ob das technisch möglich ist." Die Besitzer der Anlagen hätten jedenfalls nur wenig Möglichkeiten, etwas für die Feuerwehrleute zu tun.

"Es gibt eine Porzellansicherung, aber die baut niemand ein", sagt der Feuerwehrchef. Gar nichts hält er von der Idee, sogenannte Brandschneisen zu schaffen, also zwischen den Solarkollektoren Abstände zu lassen. "Das ist ziemlicher Blödsinn – so genau kann man gar nicht löschen. Und im Zweifelsfall sind die Lücken nicht da, wo das Feuer ist", sagt Schmidtberg.

Er sieht aber auch keinen Grund zur Panik und betont, dass die Feuerwehr sich immer in Gefahr begebe "Wir nehmen das Thema sehr ernst", sagt er, die Problematik werde in den Schulungen der Leichlinger Wehr bereits berücksichtigt. Die Photovoltaik-Anlagen seien aber nur eine Gefahrenquelle unter vielen. "Es gilt, die Gefahren zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten", sagt er.

Quelle: RP
 
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