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Leichlingen
Löste Zigarette die Messerattacke aus?

Leichlingen. Je länger der Prozess um einen Angriff In der Meffert dauert, desto mehr Fragen gibt es. Von Siegfried Grass

Die 20. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts gestern Morgen. Es ist der 20. Verhandlungstag im Verfahren gegen zwei 20-jährige Leichlinger wegen einer Messerstecherei vor dem Restaurant "Panchos". Die kürzeste Frage stellt der Staatsanwalt: "Wieso, weshalb, warum?" Eine klare Antwort wird es wohl nicht geben.

Denn sowohl die Täter, Opfer, Zeugen und Polizei hatten - zumindest bei den Nuancen - immer wieder etwas anderes beobachtet, gemutmaßt, empfunden oder geschlussfolgert. Dabei ist immer noch nicht ganz klar, woher das Messer überhaupt stammt, mit dem ein 52-jähriger Leichlinger lebensgefährlich verletzt wurde. Unstrittig dürfte nach den Ermittlungen der Polizei und vor allem durch die ja klar belegten Verletzungen des Opfers (neun Stiche) sein, dass ein Messer im Spiel war.

Da hören sich Aussagen, wonach der Sohn des 52-Jährigen schon bei der Fahrt zur Weihnachtsfeier "vorsorglich" seinen Vater anrufen wollte, aber seine Mutter im Restaurant erreicht hat, schon hellseherisch an: "Zwei Männer wollen mich abstechen mit einem Messer." Auslöser war - und das dürfte als belegt gelten - eine erste Begegnung an der Mittelstraße, wo der ebenfalls 20-jährige Sohn wohl mit lautem Motor an den beiden vorbeigefahren war. Die zwei Beschuldigten fühlten sich womöglich brüskiert und schnipsten eine Zigarrenkippe zum Auto. Es war etwas Härteres, meint der Fahrer.

Zur Vorgeschichte muss man wissen, dass sich ein Beschuldigter und der Sohn schon seit gemeinsamen Schulzeiten kennen - da gab es wohl schon mal einen Zwischenfall.

Womöglich fühlten sich die beiden Angeklagten auch stark, weil sie sich in der Überzahl wähnten. Dabei waren sie womöglich überrascht, als wenige hundert Meter weiter am Restaurant der Vater stand und plötzlich auch zahlreiche Zeugen vor Ort waren. Wurde da womöglich ein Messer gezückt, weil man sich unterlegen fühlte?

Gestern wurden auch die Polizisten gehört, die als erste "Einsatzmittel" (wie es in der Behördensprache heißt) eintrafen. Der erste Polizist vor Ort war ein Kripo-Beamter in Zivil, dann folgte auch schon "drei bis fünf Minuten" später der Notarzt. Gegen 19.25 Uhr ereignete sich die Auseinandersetzung, um (protokolliert) 19.57 Uhr nahm die Polizei die Fahndung auf. Gegen 22 Uhr wurde der erste Täter verhaftet, in der späteren Nacht dann der zweite, der sich im hintersten Winkel unter dem Dach des elterlichen Hauses versteckt hatte.

Der Prozess wird in drei Wochen fortgesetzt.

Quelle: RP