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Leichlingen/Erkrath
Neanderlandsteig: Wandern mit Ausblick

Leichlingen/Erkrath. Der Weitwanderweg, der auch durch Leichlingen führt, lädt gerade jetzt in der goldenen Oktobersonne zu Entdeckertouren ein. Von Lars Mader und Peter Korn

Bereits seit mehr als zwei Jahren gibt es den Weitwanderweg Neanderlandsteig. Jetzt, inspiriert von der rotgoldenen Oktobersonne, lädt er besonders zur Entdeckertour ein.

Flugs ist die passende Wander-App geladen; eine gute alte Landkarte ist aber auch nicht verkehrt. Es gibt diverse Schwierigkeitsgrade, die hier gewählte Etappe Erkrath-Hilden wird in der Neanderlandsteig-App allerdings als "Leicht" eingestuft.

Die siebzehn Etappen scheinen für Impulsaufbrüche wie gemacht, denn durch stets ortsnahe Verläufe sind sie schnellstens erreichbar. Dazu gehört auch die 16,7 Kilometer lange Strecke von Langenfeld-Reusrath bis Solingen, die durch die Leichlinger Sandberge führt. Sie ist kein Pappenstiel. Die Höhendifferenz beträgt 162 Meter.

Dafür ist sie enorm abwechslungsreich. In den Sandbergen geht´s auf tollen schmalen Pfaden häufig mal ganz kurz, aber doch steil bergauf, Von den flachen weiten Landschaften durch das Moor, über die bewaldeten Sandberge mit ihrer eigenen Vegetation, entlang von schönen Bächen bis in die Heide - all das findet sich in dieser einer Etappe.

Das hier gewählte deutlich leichtere 15,3 Kilometer lange Teilstück beginnt dagegen an der Haltestelle "Haus Morp" in Alt-Erkrath - und schon nach wenigen Schritten finden sich die ersten rostbraunen Kastanien, die wie die märchenhaften Brotkrummen den gesamten Weg säumen. Im Herbst lässt sich mühelos ein Jahresbedarf des naturnahen Bastelmaterials sammeln.

Abwechslungsreich durchkomponiert offenbart sich das erste Drittel der Etappe. Begleitend säuselt die Düssel, wild umwachsen wie ein Nebenarm des Amazonas. Die Kaltblüter auf den Auen am Gödinghover Weg geben bereitwillig eine Lehrstunde in demütiger Geduldsstoik. Nach der Bahnquerung geht es einen verwunschenen Waldgrat hinauf. Dort, wo die Bäume den Pfad freigeben, eröffnet sich ein kostbares Panorama über Erkrath. Oben auf dem Römerweg angekommen, wird die Schaufreude mit der Weite der Kölner Bucht erneut bestens bedient.

Die Vorstellung, sich gedankenverloren von den roten Markierungen vorantragen zu lassen, erweist sich indes als naiv. Trotz der nahezu lückenlosen Ausschilderung sollte der Wanderer zielführend mitdenken. Ohne Helferlein fällt das Navigieren schwer und im Praxisvergleich tragen kurze Blicke auf die Papierkarte sicher über die Funklöcher der App hinweg. Zur Not unterstützen ortskundigen Gassigeher freundlich und gern.

Vor Unterbach ist ein Brombeerlabyrinth zu durchkreuzen, und dahinter geht es in den von moosbewachsenen Baumriesen bewachten Eller Forst.

In diesem romantischen Bruchwald kommt einem schnell der Namenspatron des Steigs, Joachim Neander, in den Sinn. Von ihm bekannt ist u.a. das Kirchenlied "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren".

Die geistliche Hymne kann hier glatt zum Wanderohrwurm werden und vielleicht sogar motivierend bis zur Rastbank am Ostufer des Unterbacher Sees tragen. Dort tut sich ein "Kanadablick" auf, der frei von Furcht vor Grizzlys zu genießen ist. Im Wasser singen Schwäne, in der Luft schnattern Wildgänse in V-Formation - willkommen im Vogelparadies!

Das nun anschließende Teilstück entlang des Eselsbaches verläuft weniger erquicklich, steht es doch stark im Einfluss der nahen Autobahn 46, und die rauscht echt laut. Friedlich und nahezu einsam wird es wieder am Elbsee. Entlang seiner Gestaden tun sich immer wieder Sichtschneisen zur belebten Vogelinsel, einem Brutplatz von Austernfischern und Flussregenpfeifern, auf.

Quelle: RP
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