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Leichlingen
Neue historische Stadtansichten

Leichlingen: Neue historische Stadtansichten
In einer Lithografie von 1905 wurde die Ortschaft Balken festgehalten - mit der "Restauration Carl Zander". FOTO: Stadtarchiv
Leichlingen. Bilder von Leichlingen um 1900 sind jetzt in einer Veröffentlichung des Stadtarchivs erschienen. Von Susanne Genath

Um ein einziges historisches Foto zu restaurieren und Bruchstellen oder Farbverluste am Computer auszugleichen, braucht Hanswerner Mekus meist mehrere Tage. "Das Aufwändigste ist die Retusche unter der digitalen Lupe", erklärt der 78-Jährige. Doch die Arbeit lohnt sich, ist er überzeugt. "Geschichte, die nicht dokumentiert wird, fällt der Vergessenheit anheim", lautet sein Motto. Unter dem steht auch der Bildband, den der Leichlinger jetzt mit dem Stadtarchiv realisiert hat. Das 52-seitige Werk mit dem Titel "Leichlingen, wie es einmal war" zeigt zahlreiche Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen. In Texten erklärt Mekus die Motive und ordnet sie geschichtlich ein. Dafür hat das Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins in den vergangenen acht Jahren mit rund 20 Zeitzeugen gesprochen. Denn die Idee dazu kam einst bei einem Bildervortrag.

"Der Schwerpunkt im Bildband liegt auf der Zeit von 1890 bis 1920", sagt Stadtarchivar Thorsten Schulz-Walden. "Damals lebten in Leichlingen etwa 6600 Personen. Es gab viel Raum in der Stadt. Die Häuser hatten große Gärten, die auch der Selbstversorgung dienten." Das spiegeln die - teils neuen - Bilder wider. "Vieles sind Postkarten, weil sie damals ein beliebtes Werbemittel insbesondere für Gaststätten waren." Etwa 40 Gastwirte habe es zu der Zeit in der Blütenstadt gegeben. "Die Menschen gingen dort nach der Arbeit vorbei, um sich auszutauschen und die neuesten Nachrichten zu erfahren", berichtet Schulz-Walden. Denn Telefonanschlüsse waren um die Jahrhundertwende noch nicht stark verbreitet, ebenso wenig wie Elektrizität oder asphaltierte Straßen. Das sei auch auf den Motiven zu erkennen.

Die Fotos - vieles sind nachkolorierte Schwarz-Weiß-Bilder - stammen überwiegend von privaten Sammlern. "Ich habe die optisch gelungensten herausgesucht und sie örtlich sortiert", sagt Hanswerner Mekus, der Jacquard-Weber, Chemielaborant und Cellist ist und die Fotografie als Hobby betreibt. "In dem Bildband geht es von Ansichten der Gesamtstadt über die Innenstadt - das Dorf - bis an die Peripherie von Leichlingen."

Besonders gut gefallen ihm unter anderem eine Postkarte von Balken mit dem Gründungslokal des Geflügelzuchtvereins und der Schießgesellschaft sowie eine farbenfrohe Lithografie vom Bahnhof samt Kaiser-Wilhelm-Halle. Schulz-Walden macht zudem auf eine Postkarte von Haus Vorst aufmerksam. "Dort ist eine Fähre zu sehen, die Haus Vorst mit Balken verband. Die frühere Brücke gab es nicht mehr."

Als einen Ausflug "in die lebendige Frühzeit Leichlingens" lobt Bürgermeister Frank Steffes die Arbeit von Hanswerner Mekus im Vorwort. Der Bildband, von dem 500 Exemplare gedruckt wurden, ist für 12 Euro in Buchhandlungen erhältlich. "Der Bürgermeister hat mit dem Band ein tolles Repräsentationsgeschenk", sagt Stadtsprecherin Ute Gerhards. Der letzte historische Bildband wurde 2009 über Witzhelden herausgegeben.

Quelle: RP
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