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Leichlingen
Öffnung zur Wupper steht auf der Kippe

Leichlingen: Öffnung zur Wupper steht auf der Kippe
Bürgermeister Frank Steffes im Gespräch mit Stadtpark-Schützern: Die Bürgerinitiative hatte ihren Erfolg im Ratssaal lautstark gefeiert. FOTO: Uwe Miserius/Grafik: stadt leichlingen
Leichlingen. Das überraschende Ergebnis der Bürgerbefragung löste bei der Stadt Sorge aus. Der Investor habe jetzt freie Hand. Von Ina Bodenröder und Peter Korn

Als das Ergebnis der Leichlinger Bürgerbefragung zu fast mitternächtlicher Stunde endlich bekannt gegeben wurde, da konnte man im Ratssaal den Eindruck gewinnen, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sei soeben noch einmal Weltmeister geworden. So gewaltig fiel der Jubelschrei derjenigen aus, die für die Variante B gestimmt und sich damit gegen die Bebauung eines der Leichlinger Stadtparks ausgesprochen .

Mitglieder der Bürgerinitiative und andere Unterstützer lagen sich in den Armen und feierten einen Sieg, an den manche von ihnen nach eigener Aussage selbst nicht immer geglaubt hatten.

Als Alternativen für den neuen Rewe-Supermarkt und weitere Nutzer standen der Alte und der Neue Stadtpark (Variante A) sowie das bisherige Gelände mit Kaufpark und Tankstelle (Variante B) zur Verfügung. Von den insgesamt 23.829 Stimmberechtigten gaben 11.277 ihre gültige Stimme ab. 5265 entschieden sich für A (46,6 Prozent). Für B votierten 5910; das sind 52,4 Prozent.

Jens Weber, CDU-Stadtrat und Mitstreiter in der Stadtpark-Bürgerinitiative, sah sich angesichts des Abstimmungsergebnisses bestätigt: "Die Arbeit der letzten fünf Jahre hat sich damit auf jeden Fall gelohnt", sagte er.. Dass jetzt überhaupt eine Bürgerbefragung stattgefunden habe, wertete er als weiteren Erfolg der Stadtparkschützer: "Ohne die Bürgerinitiative wäre die Öffentlichkeit wohl weniger eingebunden worden", vermutete er. Zugleich hätte sich Jens Weber aber ein deutlicheres Votum für eine Alternative gewünscht. Jetzt trage die Politik eine große Verantwortung, wie sie mit dem Ergebnis umgehe. "Wir müssen Leichlingen für die Zukunft aufstellen. Dazu müssen wir uns jetzt mit allen Parteien Gedanken machen, wie die Stadt in 30 Jahren aussehen soll und auf welchem Weg wir dieses Ziel erreichen wollen", sagte der CDU-Mann gegenüber unserer Redaktion.

SPD-Fraktionsvchef Matthias Ebecke dagegen sieht erst einmal die Christdemokraten in der Pflicht, konkrete Pläne zu entwickeln. Jetzt seien die B-Anhänger am Zuge. "Ich erwarte, dass sie Vorschläge machen, wie es weitergehen soll. Es kann nicht sein, dass wir nun die Ideen zu Variante B ausgestalten", sagte Ebecke, der sich ebenso wie FDP, BWL, UWG und Linke für A stark gemacht hatte.

Er selber befürchte allerdings, dass die angekündigte Modernisierung des alten Kaufparks nach diesem Wahlergebnis nicht mehr kommen werde, denn: "Die Dinge liegen nun allein in der Hand des Kaufparkeigentümers und Investors Philipp Kiefer. Die Stadt kann die Stadtparkflächen nicht mehr in die Entwicklung einbringen", betonte der SPD-Politiker.

Einer Argumentation, der sich auch Bürgermeister Frank Steffes (SPD) gestern anschloss: "Den einzigen wirklichen Trumpf, den wir hatten, das Stadtpark-Grundstück, haben wir mit dieser Entscheidung aus der Hand gegeben", sagte der Stadtchef. Jetzt habe Kiefer im Rahmen der gesetzlichen Grenzen freie Hand - sei es bei der Erweiterung des Supermarkt-Gebäudes oder dem Bau eines Parkhauses.

Direkt am Vormittag hatte der Bürgermeister den Investor angeschrieben und um ein Gspräch gebeten, eine Antwort erhielt er zunächst nicht. Auch eine Anfrage unserer Redaktion ließ der Geschäftsmann gestern unbeantwortet.

Doch solange Kiefer sich nicht klar geäußert hat, wie er nun weiter verfahren möchte, sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Nur eines ist bereits relativ klar: Mit der eigentlich von allen gewünschten Öffnung zur Wupper wird es in Leichlingen vermutlich nichts werden. Anfragen von Bürgern, die für B gestimmt hatten und nun von Steffes wissen wollten, wie die Wuppereröffnung den zu schaffen sei, beantwortete der Bürgermeister mit dem knappen Satz: "Ich fürchte, überhaupt nicht mehr."

Im Haupt-und Finanzausschuss gestern Abend im Ratssaal gab Steffes dann bekannt, für Januar sei eine Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung (ASW) vorgesehen, in dem das Thema Innenstadtentwicklung und die weitere Vorgehensweise auf der Agenda stehe. Die Sitzung dürfte spannend werden.

Bis dahin ist dann vielleicht doch klar, inwieweit das völlig gegensätzliche Ergebnis der Jugend-Abstimmung ins weitere Verfahren eingebaut werden kann: "Um ehrlich zu sein, weiß ich auch noch nicht ganz genau, inwiefern die Stadt unsere Meinung berücksichtigen kann und will", sagte Jugendparlament-Sprecherin Liv Auhage gestern. Doch da das Ergebnis der Wahl der Erwachsenen sehr knapp ausgegangen sei, diskutierten im Internet manche schon darüber, "ob möglich ist, , Variante A und B zu kombinieren"

Quelle: RP
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