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Leichlingen
Roderbirken: Das Land schaltet sich ein

Leichlingen: Roderbirken: Das Land schaltet sich ein
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Leichlingen. Eine Initiative des NRW-Arbeitsministeriums lässt die Stadt wieder hoffen, das ehemalige Schwesternwohnheim doch nutzen zu können. Von Peter Korn

Allmählich zeigt der anhaltende öffentliche Protest gegen das Verhalten der Deutschen Rentenversicherung Rheinland offenbar Wirkung. Gestern gegen 13.30 Uhr bekam Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes nach eigener Aussage eine E-Mail, auf die er lange gewartet hatte.

In dem Schreiben fragte das NRW-Arbeitsministerium an, ob der Verwaltungschef noch am selben Tag an einer Besprechung teilnehmen könne. Eine gute Stunde später saß Steffes gemeinsam mit Vertretern der Deutschen Rentenversicherung und Ministerialen an einem Tisch. Nach dem Gespräch war der zuletzt arg frustrierte Stadtchef wieder ein Stück weit zuversichtlicher: "Alle waren sich einig, dass wir nun den Zustand des ehemaligen Schwesternheims prüfen dürfen und dann auf einer soliden Zahlenbasis entscheiden können, ob wir das Gebäude sanieren oder nicht", berichtete er.

Das ist weit mehr, als noch gestern Vormittag in in Aussicht gestanden hatte. Da musste Steffes noch von einem konsequenten Abriss des Gebäudes durch die Rentenversicherung ausgehen.

Vor allem deren Andeutungen bei einem vorangegangenen Gespräch, die Stadt müsse womöglich für Kosten aufkommen, die bei einem Rückgang der Patientenzahlen anfallen, wenn ein Flüchtlingsheim auf dem Klinikgelände entsteht, hatte für einen regelrechten Proteststurm gesorgt.

Am weitesten ging gestern der Leverkusener Bundestags-Abgeordnete und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach. Er sprach der Deutschen Rentenversicherung Rheinland gegenüber eine unmissverständliche Warnung aus. Sollte diese weiterhin daran festhalten, der Stadt Leichlingen Kosten für eventuelle Patientenrückgänge in Rechnung zu stellen, werde die Politik "Konsequenzen aus dem Verhalten" ziehen: "Man sieht sich immer zweimal", kündigte Lauterbach vielsagend an.

"Ich schätze die Rehaklinik Roderbirken sehr", versicherte der SPD-Politiker im Gespräch mit unserer Zeitung, "aber was hier passiert, ist unglaublich." Eine Einrichtung, die sich selber teils aus öffentlichen Geldern finanziere, habe keinerlei Recht, Flüchtlingsunterkünfte in Zusammenhang mit Patientenrückgängen zu bringen.

Ähnlich entsetzt äußerte sich auch der Oberbürgermeister der Nachbarstadt Leverkusen, Reinhard Buchhorn (CDU): "Ich kann das einfach nicht begreifen", sagte der Verwaltungschef, in dessen Stadt zurzeit immerhin rund 2500 Flüchtlinge leben - etwa 800 davon in Sammelunterkünften. Dennoch ist es gelungen, auch in diesem Jahr wieder 240 Asylbewerber in private Wohnungen zu vermitteln. Dies, so Buchhorn, sei nur möglich, weil viele Leverkusener die von der Stadt so sehr gewünschte und gelebte Willkommens-Kultur verinnerlicht hätten.

Ein Beispiel wie das in Roderbirken lasse einen daher umso ratloser zurück.

Quelle: RP
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