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Leichlingen
Schwesternheim als Flüchtlingsunterkunft?

Leichlingen: Schwesternheim als Flüchtlingsunterkunft?
96 Wohnungen, allesamt mit Nasszellen ausgestattet - dieses Gebäude könnte die Unterbringungsproblematik auf Monate hinaus lösen. FOTO: Uwe Miserius
Leichlingen. Das Gebäude sollte in wenigen Tagen abgerissen werden, doch seit gestern Abend zeichnet sich eine andere Lösung ab. Von Peter Korn

Könnte das alte Schwestern-Wohnheim auf dem Gelände der Reha-Klinik Roderbirken die Lösung aller Leichlinger Flüchtlings-Probleme sein? Zumindest steht fest: Die Ankündigung in unserer Zeitung, dass die Deutsche Rentenversicherung in Düsseldorf als Besitzer des Gebäudes schon in wenigen Tagen die Abriss-Bagger anrollen lassen möchte, hat gestern zu einer intensiven öffentlichen Diskussion geführt.

Die Rentenversicherung, die angekündigt hatte, mehrerer ihrer alten Gebäude ersatzlos abreißen zu wollen, meldete sich daraufhin gestern Abend bei der Stadt Leichlingen und stellte ein Gespräch für Mitte August in Aussicht, bei dem die Frage geklärt werden soll, ob das ehemalige Schwestern- und Zivi-Heim mit seinen 96 Wohnungen als Flüchtlings-Unterkunft genutzt werden kann. Eigentlich wollte der Betreiber der Reha-Klinik Roderbirken, auf dessen Gelände sich das Gebäude befindet, schon in wenigen Tagen die Bagger für den Abriss anrollen lassen. Argumentiert wurde unter anderem mit dem angeblich deutlich maroden Zustand der Immobilien. Doch wie marode ist das mit 96 Wohnungen versehene Schwesternhaus tatsächlich?

Die Leichlinger SPD-Ratsfraktion betonte gestern, sachkundige Anwohner in Roderbirken hätten berichtet, die Wohnungen seien in einem weitaus besseren Zustand, als beispielsweise die Flüchtlings-Unterkunft in Bennert. Für Fraktionschef Matthias Ebecke war deshalb klar: Die Stadt muss aufgefordert werden, zu prüfen, ob die Abrissgenehmigung widerrufen werden kann "beziehungsweise den Abriss zu stoppen, indem Verhandlungen mit dem Träger des Gebäudes über die Unterbringung von Flüchtlingen umgehend aufgenommen werden." Diese Forderung machte Ebecke gestern öffentlich. Sein Parteikollege, Bürgermeister Frank Steffes, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, er sei bereits seit geraumer Zeit mit der Deutschen Rentenversicherung im Gespräch, bisher allerdings noch ohne Erfolg. Im sozialen Netzwerk Facebook wies er wenig später Vorwürfe zurück, die Stadt habe eventuell die Möglichkeit verschlafen, sich um das Gebäude zu bemühen.

"Ich selber war noch am 13. Juli in den Gebäuden, da pennt also niemand", versichert der Stadtchef. Alle anderen Dinge seien Rechts-Bau-und Finanzierungsfragen, die zu klären seien, wenn sich die Deutsche Rentenversicherung bewege: "Und jetzt bitte keine Diskussion über die Asyl-und Flüchtlingspolitik. Das ginge meilenweit an kommunalen Einflussmöglichkeiten vorbei, und ich würde mich auch nicht daran beteiligen", merkt der Bürgermeister an.

Die Deutsche Rentenversicherung hatte sich am Vortag gegenüber unserer Zeitung allerdings entschlossen gezeigt. Der Abriss sei notwendig, eine andere Nutzung oder gar ein Verkauf der Gebäude dagegen nicht möglich, weil Ihr Zustand zu schlecht sei. Stattdessen sollen die Flächen begrünt werden.

Zustand zu schlecht? Das will auch die Leichlinger CDU nicht glauben. Deren Fraktionschef Helmut Wagner meldete sich gestern und wies darauf hin, der für die CDU als sachkundiger Bürger tätige Gregor Boukes habe bereits vor Monaten die Stadt im politischen Fachausschuss öffentlich und für alle nachvollziehbar darauf hingewiesen, dass das Schwesternheim als Asylbewerber-Unterkunft eine gute Lösung sein könnte und sogar Fotos gezeigt, die den durchaus guten Zustand der Wohnungen belegt hätten. Damals habe die Stadt ihm erklärt, das sei aufgrund der Haltung der Rentenversicherung nicht möglich. "Dass die SPD jetzt wider besseren Wissens einen solchen Antrag stellt, wo alles zu spät ist, finde ich ausgesprochen ärgerlich", sagte Wagner.

Boukes selbst meldete sich wenig später und bestritt, im Ausschuss öffentlich aktiv geworden zu sein. Er habe lediglich einige informelle Gespräche mit Stadt-Bediensteten geführt, dabei aber in der Tat Fotos vorgelegt und eine negative Auskunft bekommen.

Die Stadt kündigte schließlich an, sie werde weiter mit der Deutschen Rentenversicherung sprechen. Am Abend dann kam die überraschende Mitteilung aus Düsseldorf, der Abriss sei vorerst auf Eis gelegt. Man wolle mit einem Gespräch Möglichkeiten einer Nutzung ausloten.

Eine Nachricht, die in der Stadtverwaltung mit großer Erleichterung aufgenommen wurde. Denn so viel scheint festzustehen: Sollte das Gebäude mit seinen 96 Wohnungen, die alle über Nasszellen verfügen, tatsächlich noch nutzbar gemacht werden können, wären die Unterbringungs-Probleme von Flüchtlingen in Leichlingen vermutlich auf viele Monate hinaus gelöst.

Quelle: RP
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