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Leichlingen
Schwesternheim: "Aus" für Flüchtlings-Nutzung

Leichlingen: Schwesternheim: "Aus" für Flüchtlings-Nutzung
Zum Abriss freigegeben: 96 Apartments, teilweise vollmöbliert und mit Dusche und WC. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leichlingen. Nach dem Gespräch von Stadt und Rentenversicherung gestern ist klar: 96 Wohnungen in Roderbirken werden abgerissen. Von Peter Korn

Der Wunschtraum von einem Gebäude mit 96 Apartments für die Unterbringung von Flüchtlingen in vernünftigen Umständen scheint ausgeträumt. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, das Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes (SPD) und der städtische Fachbereichsleiter für Soziales, Ingolf Bergerhoff, gestern in Düsseldorf mit Vertretern der Deutschen Rentenversicherung Rheinland geführt haben.

Auch die voll möblierten Apartments im ehemaligen Schwestern-Wohnheim werden jetzt abgerissen, weil der Sanierungsaufwand angeblich zu groß ist. FOTO: Uwe Miserius

Eine Stunde dauerte der Termin in der Landeshauptstadt, an dem unter anderem der Geschäftsführer der Rentenversicherung, der Leiter Gebäudemanagement sowie der Pressesprecher teilnahmen.

Im Verlauf des Gesprächs teilten die Rentenversicherungs-Vertreter der Stadt drei Gründe mit, die aus ihrer Sicht im Bezug auf die Immobilie nicht verhandelbar sind:

- Vertrags-Verpflichtungen Mit dem Abriss-Unternehmer bestehen nach Aussagen eines Sprechers der Rentenversicherung langfristige Verträge. Das Unternehmen hatte bisher offenbar noch Abrissarbeiten zurückgehalten, soll nun aber wieder voll im Zeitplan tätig werden. Jede Aussetzung oder gar ein Stopp hätten nach Auffassung der Deutschen Rentenversicherung Strafzahlungen zur Folge - die müsste dann im Zweifel die Stadt übernehmen.

- Gebäude-Zustand Die Deutsche Rentenversicherung Rheinland hat der Stadt gestern Fotos gezeigt, die den sanierungsbedürftigen Zustand des Gebäudes belegen sollen. Auch diese Sanierung müsste Leichlingen aus eigener Tasche zahlen. "Ich kann das zurzeit nicht nachprüfen", sagte Bürgermeister Frank Steffes auf Anfrage: "Ich weiß aber: Wenn es stimmen sollte, können wir das aus eigener Kraft nicht schaffen."

- Reha-Ausfälle Ein entscheidendes Argument in der gestrigen Diskussion hat allerdings auch mit dem Kernauftrag der Deutschen Rentenversicherung zu tun - dem Betrieb der Herz-Reha-Klinik Roderbirken. Zurzeit liege die Auslastung der Einrichtung bei etwa 100 Prozent, wurde im Verlauf des Gesprächs gestern nach Auskunft von Beteiligten angeführt. Eine Verringerung der Auslastung müsse daher ebenfalls der Stadt Leichlingen in Rechnung gestellt werden, falls diese auf der Flüchtlingsunterkunft bestehe.

Spätestens da war den Vertretern der Leichlinger Stadtverwaltung klar, dass aus der Flüchtlingsunterkunft nichts mehr wird. Ähnlich erging es auch dem Leichlinger CDU-Politiker Gregor Boukes, der gestern parallel ebenfalls in Düsseldorf verhandelte. "Wir sind nicht in der Situation, dass wir eine Belastung in der zu erwartenden Höhe alleine tragen könnten", sagte Steffes.

Seine Hoffnung, die von ihm angeschriebene NRW-Landeschefin Hannelore Kraft könne sich entscheidend für die Leichlinger Belange einsetzen, rückte gestern ebenfalls ein Stück weiter in die Ferne.

Eine Sprecherin der Staatskanzlei erklärte auf Anfrage, die Ministerpräsidentin befinde sich auf einem Staatsbesuch in Israel und kehre erst heute zurück.

Bevor Hannelore Kraft sich allerdings eine Meinung gebildet haben wird, dürften die Bagger in Roderbirken weitere Fakten geschaffen haben. Die kurzzeitige Aussetzung der Abrissarbeiten ist seit gestern jedenfalls aufgehoben.

Quelle: RP
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