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Leichlingen
"Seelenlose Brücke": Bürgermeister wünscht sich mehr Kunst am Bau

Leichlingen. Die Buchhandlung Gilljohann in der Leichlinger Innenstadt platzte am Wochenende förmlich aus allen Nähten. Während die in diesen Tagen mal wieder vom Himmel prasselnden Regentropfen an die Scheiben klopften, herrschte im Inneren des Geschäftes gute Stimmung. Neben vielen Neugierigen war auch Bürgermeister Frank Steffes gekommen. Der Grund: Zusammen wurde die Eröffnung der 29. Leichlinger Straßengalerie gefeiert. Von Tobias Brücker

Dabei werden in den öffentlichen Gebäuden und den örtlichen Geschäften Gemälde, Skulpturen und andere Arbeiten von Künstlern der Blütenstadt ausgestellt. Insgesamt 21 Kunstschaffende wurden dieses Mal für die Aktion ausgewählt. Ihre Werke können nun bis zum Sonntag, 17. Juli, an 20 Orten - wie beispielsweise in der Leichlinger Stadtbibliothek - bewundert werden. Drei Geschäfte sind als Ausstellungsorte neu dabei.

Bürgermeister Steffes betonte insbesondere auf öffentliche Gebäude bezogen: "Heute Morgen habe ich eine Diskussion in den sozialen Netzwerken verfolgt. Unsere Funchal-Brücke sei seelenlos. Es stimmt schon: In Leichlingen gibt es zu wenig Kunst am Bau." Dabei sei gerade auch diese Kunstform besonders wichtig. Und sie sei gewollt.

Eine gewisse Zahl öffentlicher Bauten, so sei es nach den Maßstäben vorgegeben, sollten von Bürgern mitgestaltet werden. In Leichlingen jedoch wurden bei Sanierungen Kunstobjekte, die zuvor das Gebäude schmückten, nicht ersetzt und nicht wieder an ihren Platz gebracht. Das soll sich ändern.

"Kunst ist ein allumfassender Begriff und ein Spiegelbild der Gesellschaft. Eine lebendige Kunstszene ist für eine Stadt sehr wichtig", erklärte Steffes. Aus Kunstwerken könne auch er als Bürgermeister durchaus etwas lesen. Überspitzt formuliert: Malten alle Künstler der Blütenstadt nur schwarze Gemälde, müsse er sich Gedanken machen. Graffiti empfindet Steffes ebenfalls als Kunst - jedoch nur an den richtigen, also legalen Stellen. In naher Zukunft ist für Sprayer eine solche Fläche geplant.

In eine ganz andere Richtung als eben jene Straßenkunst verläuft der Stil von Ana Theisen-Alcázar. Sie malte ihr kleines Enkelkind - Liebe war der Ansporn dafür. "Ich wollte die Seele des Kindes einfangen. Zu verkaufen ist das Bild nicht. Er bekommt es, wenn er groß ist", erzählte sie lächelnd.

Karne Herbig-Matthiesen, die die Kulturbelange der Stadt von Michael Völker vor zwei Monaten übernommen hat, beschreibt die Kultur- und Kunstszene in Leichlingen als "sehr persönlich". Es gebe keinen Konkurrenzkampf, der Austausch zwischen den Künstler sei einfacher als in der Großstadt.

Quelle: RP
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