| 00.00 Uhr

Leichlingen
Sinnliche Uraufführung zum Abschied

Leichlingen. Die Zuhörer in der evangelischen Kirche Leichlingen waren begeistert von Tadeusz Klaus' Weihnachtsgeschichte op.17 Von Monika Klein

Eine Klarinette imitiert mit einem Glissando ein blökendes Schaf, liegende Klänge wecken Bilder von Hirten, die sich um ein Feuer lagern. "Wenn Maria durch ein' Dornwald" geht, hört man darunter das rhythmische Muster ihres Herzschlags. Lautmalerisch illustrierte der Komponist Tadeusz Klaus in seiner "Weihnachtsgeschichte" Opus 17 die vertrauten Szenarien der biblischen Überlieferung. Klangbilder wie diese erschließen sich unmittelbar, sie brauchen keine wortreichen Erklärungen. Diese einleuchtenden wie eingängigen Klänge, Melodien und Rhythmen überzeugten offenbar auch die Zuhörer der Uraufführung in der Evangelischen Kirche Leichlingen. Berührungsängste mit neuer Musik hielten offenbar niemanden ab, sonst wären die Bänke - trotz zahlreicher Konzert-Alternativen - nicht so gut besetzt gewesen.

Mit minutenlangem stehend gegebenen Applaus signalisierten sie am Ende des Konzerts, dass sie diese Musik unmittelbar berührt hat. So wie auch die Sänger des Figuralchores, die das neue Werk unter der Leitung von Kantorin Tanja Luthner einstudiert hatten, aber dabei gar nicht an die Vorbereitung einer Zugabe gedacht hatten. Und die damit längst warm geworden sind, obwohl ungewohnte Harmonien oder wechselnde Rhythmik sich auch für versierte Sänger nicht von alleine erschließen. Da steckte eine Menge Arbeit dahinter, bis die Einsätze so klar und selbstverständlich kamen, und die einzelnen Teile zum Gesamt werk verschmolzen.

Die Wirkung einer eher schlichten, fast volkstümlichen Weihnachtserzählung wurde durch die Begleitung einer kammermusikalischen Besetzung unterstrichen, die zudem auf den flächig wabernden Klang eines Harmoniums, hier vom Komponisten selbst gespielt, setzt und auf den charakteristischen Sound einer Harfe. An den Klang der Instrumente wurde das Publikum mit kleineren Stücken vorweg behutsam gewöhnt. Das Solistenquartett bildeten Theresa Nelles (Sopran), Andrea Isabel Wildgrube (Alt), Daniel Tilch (Tenor) und Andrey Akhmetov (Bass). Das Konzert wurde mitgeschnitten, als erste Einspielung dieser ganz frischen Musik.

Für den Figuralchor der Leichlinger Kantorei mischte sich in diese Uraufführung so etwas wie Abschiedsstimmung. Denn es war definitiv das letzte Projekt, das die Sänger zusammen mit Tanja Luthner realisiert haben. Vor drei Jahren kam die junge Kirchenmusikerin als Nachfolgerin von Bettina Strübel nach Leichlingen. Ende Januar wird sie die Blütenstadt wieder verlassen und in ihre Heimat im Raum Stuttgart zurückkehren. Dort hat sie soeben die Aufnahmeprüfung für einen Masterstudiengang in den Fächern Gesang und Pädagogik bestanden - mit Bestpunktzahl. Trotz ihrer Examina in Kirchenmusik hatte sie in den Hauptfächern wie alle anderem Bewerber antreten müssen. Das Leichlinger Kantorat aufzugeben bedauert sie sehr, denn "ich habe das sehr gerne gemacht." Andererseits reize sie diese zweijährige Ausbildung, obwohl sie weiter in ihrem jetzigen Beruf tätig sein möchte. Zumal sie an der Stuttgarter Hochschule wieder näher bei Familie und Freunden ist. Nichts gegen die Rheinländer, die habe sie als sehr netten Menschenschlag kennen gelernt. Aber noch sei sie mit Anfang 30 jung genug.

Für den Figuralchor werde es nach den Weihnachtsferien sofort weitergehen, versichert Tanja Luthner. Mit der Vorbereitung nämlich einer längst geplanten ökumenischen Konzertreise nach Ravenna, zusammen mit dem Katholischen Kirchenchor von Pia Gensler. Die italienische Kollegin Beatrice Santini, die das Projekt vermittelt hat, werde mit dem Figuralchor das Programm, unter anderem die Schubert-Messe, einstudieren.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leichlingen: Sinnliche Uraufführung zum Abschied


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.