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Leichlingen
Sportlerwahl-Modus sorgt für Diskussionen

Leichlingen. Bei der Ehrung der Sportler des Jahres hat der Stadtsportverband Neuerungen eingeführt, die nicht jedem gefallen. Von Roman Zilles

Neuer Raum, neue Jury und neue Kriterien, anhand derer die Besten des vorigen Jahres gekürt wurden. In diesem Jahr kam die Ehrung der Sportler des Jahres in neuem Gewand daher - nachdem seit Jahren beim Stadtsportverband der Wunsch gehegt wurde, die Veranstaltung zu attraktivieren. Indes stießen die vollzogenen Veränderungen nicht nur auf Gegenliebe.

So sorgten die neuen Kriterien für Diskussionen. Nicht jeder fand es nachvollziehbar, dass die Rasenkraftsportler beziehungsweise Leichtathleten des Leichlinger TV, die im Vorjahr alle Titel eingeheimst hatten, nun gänzlich leer ausgingen. Trotz unbestrittener Erfolge landeten sie in keiner Kategorie (Frauen, Männer, Mannschaften) unter den ersten Drei. "Ich wurde inzwischen auch schon gefragt, wann wir denn nun wirklich die Sportler des Jahres ehren", berichtet Karlheinz Dick. Als ob die zurückliegende Wahl nicht ernst zu nehmen sei. Aber diese Kritik halte er aus, fügt der Vorsitzende des Stadtsportverbandes an.

Unter anderem sehen die neuen Kriterien vor, dass die Juroren neben sportlichen Erfolgen stärker die Verbandsstärke der Sportart in ihre Entscheidung einfließen lassen. "Denn je mehr Leute einen Sport betreiben, desto schwieriger ist es, auf eine hohe Ebene zu gelangen, also etwa an einer Europa-Meisterschaft teilzunehmen", erläutert Dick. Zudem können Leistungen junger Sportler hervorgehoben und Erfolge kleinerer Vereine stärker gewürdigt werden. Alles das soll helfen, "die Leichlinger Sportlandschaft möglichst in ihrer ganzen Breite abzubilden", sagt Dick.

Das sei in der Vergangenheit nicht immer gelungen. Es kam der Vorwurf auf, immer die gleichen landeten vorne. Zudem gab es Jahre, in denen die Zahl der Nominierten so gering war, dass man Mühe hatte, drei erste Plätze in einer Kategorie zu vergeben. Das war in diesem Jahr anders. "Wir hatten in allen Rubriken eine zweistellige Anzahl an Bewerbungen", sagt Martin Hasenjäger, Vorsitzender des LTV. Sein Verein und der TV Witzhelden saßen - auch das ist neu - neben den Stadtsportverbands- und Medienvertretern erstmals in der Jury. Für Hasenjäger gibt es keinen Zweifel: "Der jetzt eingeschlagene Weg ist der richtige."

Dass sich mancher, der leer ausging, ärgert, dafür hat Hasenjäger Verständnis. "Man kann es nie allen recht machen. Aber dass jemand anderes gewählt wird, bedeutet ja nicht, dass die eigene Leistung gemindert wird." Und manchmal ändern sich Dinge auch ganz schnell: Vielleicht landen die LTV-Athleten Michelle Döpke und Marc Okun, die in Leichlingen jüngst leer ausgingen, bei der anstehenden Ehrung im Rheinisch-Bergischen Kreis vorne.

Wenig Grund an den neuen Kriterien herumzumäkeln hat Trainer Jürgen Möller - sein TSV Rhein-Wupper heimste zwei Siege ein: Moya Wigger bei den Frauen und das Senioren-Team bei den Mannschaften. "Wir haben uns vor allem über die Erfolge gefreut. Aber prinzipiell finde ich richtig, viele Faktoren bei der Wahl zu berücksichtigen, solange das Sportliche nicht hinten runterfällt", sagt Möller.

Möglichkeiten zur Verbesserung sehen alle Beteiligten. Etwa beim Raum. Nachdem die Stadtverwaltung den Sitzungssaal nicht mehr zur Verfügung stellt, ist man in die Mensa umgezogen. Es stehe nicht fest, ob das die langfristige Lösung sein wird, sagt Dick. Falls ja, rät Möller: "Dann sollte man ein paar Bäumchen aufstellen." Denn die Atmosphäre sei eher steril als festlich gewesen. Was sich sonst noch optimieren lässt, darüber werde intern bereits beraten. "Zudem ist jeder Verein aufgerufen, Vorschläge zu machen", appelliert Dick und verrät eine weitere mögliche Veränderung: "Wir überlegen, ob jemand, der dreimal hintereinander unter den ersten Drei war, dann eine Pause einlegen muss bei der Ehrung."

Zwar ist Dagmar Windmann mit vielem einverstanden ("Ich denke, das neue Konzept ist geeignet, die Sportlerehrung attraktiver zu machen"), aber das mit der Pause wird sie wohl nicht befürworten. "Ich finde, nur die sportliche Leistung des letzten Jahres sollte ausschlaggebend sein", sagt die zweite Vorsitzende des TV Witzhelden. Angesprochen auf die neuen Kriterien, sagt sie: "Alle in der Jury haben ja trotzdem die Möglichkeit, die Leistung jedes Sportlers selbst zu gewichten." Bestes Beispiel sei die Wahl von Christian Weber zum Sportler des Jahres. Der LTV-Faustballer gewann mit der deutschen U 18 die EM. Windmann: "Es ist für ihn als Mannschaftssportler wohl das erste und einzige Mal, dass er als Einzelsportler ausgezeichnet werden kann."

Quelle: RP
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