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Leichlingen
Stadt: Deutsche Bahn soll Schranken-Problem prüfen

Leichlingen: Stadt: Deutsche Bahn soll Schranken-Problem prüfen
Zug kommt, Schranke ist unten - so ist es sicher. Vorige Woche soll das aber am Leichlinger Bahnhof anders gewesen sein. FOTO: UM (Archiv)
Leichlingen. Ein Politiker fordert, nicht zur Tagesordnung überzugehen. Ein Eisenbahner moniert, Statistiken zu dem Thema seien "nicht unbedingt aussagekräftig". Von Roman Zilles

Für ihn sei der Vorfall nicht abgehakt. "Ich nutze den Bahnübergang fast täglich, und vor dem Hintergrund des Zug-Unglücks in Bad Aibling löst das bei mir ein mulmiges Gefühl aus", sagt Matthias Ebecke angesichts der Beobachtung, dass jüngst ein Zug aus Köln in den Leichlinger Bahnhof eingefahren sein soll, obwohl die Schranken am Bahnübergang nicht geschlossen gewesen sein sollen (wir berichteten).

Eine Frau hatte dies beobachtet, im Anschluss habe sie sich mit weiteren Fahrgästen darüber unterhalten. Aber: Die Deutsche Bahn hat von einem solchen Vorfall keine Kenntnis. Weder sei etwas in den Unterlagen dokumentiert, noch habe der zuständige Fahrdienstleiter etwas von Problemen am Leichlinger Bahnübergang berichtet. "Mein Eindruck ist, dass man bei der Bahn den Kopf in den Sand steckt. Ganz nach dem Motto: Die Zeugen sollen sich mal die Brille putzen", moniert SPD-Ratsmitglied Ebecke. Wenn berichtet werde, dass dort etwas vorgefallen sei, dann müsse der Sache auch nachgegangen werden. "Mir persönlich wäre weitaus wohler, wenn man wüsste, woran es gelegen hat. Denn so herrscht Ungewissheit. Vielleicht kann so etwas bald wieder geschehen", sagt Ebecke.

In der Stadtverwaltung sieht man das offenbar ähnlich. Zumindest ist das Ordnungsamt auf den Bericht unserer Redaktion hin tätig geworden. "Der Artikel wurde an das Eisenbahn-Bundesamt weitergeleitet mit der Bitte um Prüfung", berichtet Ute Gerhards aus dem Büro Bürgermeister.

Dass Probleme mit offenen Bahnschranken keine allzu seltenen Einzelfälle sind, legen Berichte aus dem Januar aus anderen Städten nahe. So sollen auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen im niedersächsischen Rethorn bei Ganderkesee zwei Insassen eines Autos nur knapp einer Kollision entkommen sein, als eine Schranken-Anlage geöffnet habe, obwohl ein Zug herangerauscht sei. In Duisdorf (Bonn) kam es ebenfalls zu einer Störung der Schranke, so dass dort mehrere Züge in Schrittgeschwindigkeit den Übergang passierten. Dies habe die Bahn bestätigt.

Dass der Leichlinger Vorfall nicht in den Unterlagen der Bahn verbrieft ist, erscheint angesichts des Antrags eines Eisenbahners für einen Fachkongress im März nicht ungewöhnlich. Zwar sei es nicht alltäglich, aber es komme "immer wieder mal vor, dass nicht signalabhängige Anrufschranken oder sonstige Schranken offen stehen". Aber obwohl dies jeder Lokführer schon erlebt haben dürfte: "Statistiken hierzu sind nicht unbedingt aussagekräftig, da ein Lokführer ein solches Ereignis in der Regel aus kollegialen Gründen nicht an die große Glocke hängt, sondern nur den betreffenden Fahrdienstleiter unmittelbar verständigt".

Der Mann beantragt im Übrigen, dass Lokführer beim Erkennen einer offenen Schranke (neben einem langen Hupton) auch eine Schnellbremsung einleiten müssen. Bislang seien sie dazu in einer solchen Situation nur verpflichtet, wenn sie erkennen, dass ein Zusammenprall droht. "Im Extremfall", führt der Mann aus, "nähert sich ein Zug mit 160 km/h einer offenen Anrufschranke, die der Lokführer schon aus einer Entfernung von etwa 500 Metern sieht, und fährt nach Erteilen des Achtungspfiffes ungerührt mit 160 km/h weiter."

Quelle: RP
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