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Leichlingen
Überfälle: Offener Brief an Hannelore Kraft

Leichlingen: Überfälle: Offener Brief an Hannelore Kraft
Aufgebracht: der frühere Stadtbrandmeister Herbert Wieden. FOTO: um
Leichlingen. Nach brutalen Überfällen auf Senioren appelliert der frühere Stadtbrandmeister Herbert Wieden an die Landespolitik. Von Peter Clement

Drei Wochen sind seit dem schweren Überfall auf ein Rentner-Ehepaar in Dierath in dessen eigenen vier Wänden inzwischen vergangen. Und auch wenn die Polizei intensiv ermittelt - die Täter befinden sich noch immer auf freiem Fuß. Der weitere Überfall auf eine Seniorin in der Ortschaft Fähr vergangene Woche hat offenbar weiter für Verunsicherung in einigen Teilen der Bevölkerung gesorgt.

Am heftigsten reagiert hat jetzt der frühere Stadtbrandmeister Herbert Wieden. In einem offenen Brief an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft fordert er jetzt eine deutliche Aufstockung des Personals bei der Polizei - andernfalls müsste man an Bürgerwehren denken oder Stiftungen, mit deren Geld privates Sicherheitspersonal technisch ausgerüstet werden könne.

"Ich gehöre auch zu den Generationen, die unser Land wieder mit aufgebaut haben", schreibt Wieden: "Jetzt, wo wir alt sind, trauen wir uns kaum noch einzeln aus dem Haus." Wer dennoch aus dem Haus gehe, schaue sich ständig um, ob er nicht verfolgt werde. "In meiner langjährigen Funktion als Leiter der Feuerwehr habe ich in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei Einblick in die Personalstärke gehabt", betont der Leichlinger. Im Mittel 16 Polizeibeamte seien damals für die Blütenstadt zuständig gewesen: "Heute sind es nur noch zwei im Rathaus."

Zudem würden überall Vorträge gehalten, "mit welchen Mitteln wir uns technisch schützen können, was wir auch noch bezahlen sollen. Hier stimmt doch etwas nicht". Wieden betont: "Wir sind nicht die Verursacher. Wenn es nach dem Verursacherprinzip geht, muss das Land für unsere Sicherheit aufkommen, oder soll das eine Bestrafung für unsere Lebensleistung sein?"

Aus der NRW-Staatskanzlei hat Herbert Wieden inzwischen die Nachricht bekommen, Hannelore Kraft danke ihm für den Brief, das Schreiben sei ans Innenministerium weitergeleitet worden. Eine Sprecherin der Kreispolizei wies den Vorwurf der personellen Unterbesetzung gestern umgehend zurück. Es gebe selbstverständlich nicht nur die beiden Bezirksbeamten im Rathaus, auf die der Senior anspiele. Denn auch wenn die Wache nach Burscheid umgezogen sei - so seien immer noch gleich viele Streifen für Leichlingen zuständig, im Gegenteil: "Durch die Zusammenlegung mit Wermelskirchen sind wir flexibler geworden und können kurzfristig im Bedarfsfall sogar mehr Kräfte zur Verfügung stellen als vorher."

Herbert Wieden lässt sich dennoch nicht von seinem Kurs abbringen: "Geben Sie uns mehr polizeiliche Kräfte für unsere Sicherheit, sonst werden wir selbst tätig werden", schreibt er an die NRW-Spitzen: "Das soll keine Drohung sein, wir wollen in Ruhe leben können."

Quelle: RP
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