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Leichlingen
Verhindert der Stadtrat eine Naturstein-Firma auf dem Marseille-Gelände?

Leichlingen. Knapp eine Woche vor ihrem Beginn wird der Grund für die eiligst einberufene Sondersitzung des Stadtrates mitten in den Ferien am kommenden Montag immer klarer. Es geht offenbar darum, die Ansiedlung des Naturstein-Handelsunternehmens Seltra auf dem gelände der Leichlinger Firma Marseille Kunststoffe Am Stockberg zu verhindern. Von Peter Clement

Dies geht aus einem Schreiben von Firmenchef Reinhold Marseille an Bürgermeister Frank Steffes, die Ratsmitglieder sowie den Wirtschaftsförderungsverein hervor, das unserer Redaktion vorliegt.

"Schon im vergangenen Jahr informierte ich Sie über die Absicht, mein Unternehmen sowie einen wesentlichen Teil des Gewerbegrundstückes nach über 30 Jahren in Leichlingen zu veräußern", schreibt Marseille an den Stadtchef. Es geht um etwa 60.000 Quadratmeter. Mit Hilfe der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft habe er nun die Seltra Natursteinhandel GmbH als Kaufinteressenten für das Gelände gefunden - "ein adäquates Unternehmen für den Stockberg, das sich mit dem Großhandel von Natursteinen beschäftigt", betont Marseille.Die Vorteile einer Ansiedlung liegen seiner Ansicht nach auf der Hand:

- ein um mehr als zwei Drittel reduziertes Verkehrsaufkommen gegenüber der bisherigen Nutzung; - Abbau des großen Siloparks und damit verbunden der Wegfall des bisherigen Silo-Schwerverkehrs Am Stockberg.

- Andienung und Verladung nur noch von 8 bis 17 Uhr statt wie bisher 24 Stunden am Tag.

- Das Naturstein-Unternehmen passt vom Produkt her in die Ökologie der Sandberge.

- Seltra übernimmt die Mitarbeiter, bringt neue Arbeitsplätze sowie Gewerbesteuer und erhöht ob seines Bekanntheitsgrades das Image der Stadt.

Der Kaufvertrag ist bereits unterschrieben, die Ansiedlung für Anfang kommenden Jahres geplant - und jetzt wurde auch der notwendige Antrag auf eine Nutzungsänderung für das Marseille-Gelände gestellt. Den müsste die Stadt wohl genehmigen - wenn nicht eben der Stadtrat zuvor noch schnell mit einer Veränderungssperre den Rollladen herunterlässt und die Ansiedlung blockiert. Denn Verwaltung und Politik bevorzugen offenbar kleinteiliges Gewerbe ohne großen Schwerverkehr.

"So etwas werden sie auf meinem Grundstück aber nicht bekommen", kündigt Marseille an. 100.000 Tonnen werden pro Jahr per Lkw auf seinem Firmengrundstück bewegt - und weiter über Stockberg und die Immigrather Straße. Bei Seltra wären es gerade mal 15.000 Tonnen, argumentiert er.

"Mein Betrieb genießt Bestandsschutz und kann expandieren, dann läuft noch mehr Verkehr", sagt Reinhold Marseille. "Das gilt auch, wenn ich den Betrieb an einen meiner Mitbewerber verkaufe." Und da zehn Prozent des Firmengeländes auf Langenfelder Gebiet liegen, sei auch eine Verlegung des Firmensitzes und damit der Gewerbesteuerzahlung dorthin möglich.

"Das kann in Leichlingen doch niemand ernsthaft wollen", appelliert Marseille: "Missverständnisse und unglückliche Defizite bei der Kommunikation zwischen Verwaltung und Politik sind im Tagesgeschäft durchaus möglich, können aber, guten Willen unterstellt, auch problemlos geklärt werden. Insofern bitte ich Sie höflich, noch einmal in Ruhe nachzudenken."

Quelle: RP
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